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Auberg soll weiter zugebaut werden

Umstrittenes Investoren-Wohnobjekt am Fuße des Pöstlingbergs erregt die Gemüter

9. März 2026
in Linz, Politik
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Ein Verdichtungsprojekt sorgt am Linzer Auberg für Aufruhr: Auf einem relativ schmalen Streifen, der an Gärten angrenzt, soll ein dreistöckiger Wohnblock mit Eigentumswohnungen errichtet werden. Kurios: Obwohl die dazu nötige Bebauungsplanänderung noch gar nicht im Gemeinderat behandelt wurde, wird das Projekt bereits für den Verkauf beworben.

„Am Teich“ heißt die beschauliche Straße am Auberg (die namensgebenden Fischteiche gibt es bis auf ein kleines Biotop schon lange nicht mehr), wo das neue Wohnprojekt hingebaut werden soll. Auf dem derzeit mit Garagen bebauten, nur 1.200 m² großen Grundstück muss zuvor eine Umwidmung für das geplante dreistöckige Wohnhaus (ursprüngliche Planungen sollen sogar von fünf Stockwerken ausgegangen sein) mit Tiefgarage beantragt werden. Die Größe des Projekts und der vorhandene Platz auf einem schmalen Streifen sind stadtplanerisch als problematisch einzustufen.

„Am Auberg soll nur für ein einzelnes Projekt eines Liegenschaftsentwicklers der Bebauungsplan geändert werden. Das sehen wir nicht ein. Das Ortsbild wurde bisher streng kontrolliert, nun soll plötzlich ein dreistöckiger Bau möglich sein?“, fragt Anwohnerin Andrea Schrenk. Sie hat dazu eine Petition gestartet, um das ihrer Meinung nach „völlig überzogene Verdichtungsprojekt“ zu stoppen. „Die gewünschte Änderung des Bebauungsplans ist in erster Linie als Spekulationsobjekt ohne öffentliches Interesse anzusehen“, so Schrenk, die bereits über 100 Unterstützer hinter sich geschart hat.

„Wir, die direkt betroffenen Anrainer, die an das strittige Investorenprojekt angrenzen, wurden von der Stadt Linz nicht informiert. Wir haben davon nur zufällig erfahren.“

Das Projekt wird online bereits beworben, obwohl die nötige Bebauungsplanänderung noch gar nicht im Gemeinderat vorgelegt wurde (auch für die kommende Sitzung liegt kein entsprechender Tagesordnungspunkt vor). Offen ist auch, wer eine Zustimmung zu den Plänen geben wird: Sowohl bei der ÖVP (Vzbgm. Hajart: „Das Projekt ist mir nicht bekannt“) als auch bei der FPÖ weiß man zumindest offiziell nichts über das Vorhaben.

Direkt an dieses vor einigen Jahren geschaffene Biotop soll der neue Wohnblock mit Eigentumswohnungen entstehen. (Foto: Redaktion)

Wiederholt sich die Geschichte?
Vor über fünfzig Jahren wurden hier drei Hochhäuser direkt neben die bestehenden Gärten gebaut. „Es gab auch damals vorab keine Information der Reihenhausbewohner. Nach dem Beschluss im Gemeinderat konnte man keinen Einspruch mehr erheben. Wie die Hochhäuser in das Wohngebiet bzw. das Stadtbild passen, darf jeder für sich beurteilen“, so Andrea Schrenk.

Auch von LinzPLUS (Lorenz Potocnik: „Wir lehnen die Umwidmung ab und fordern Bürgermeister Prammer auf, die Anlasswidmungen zu beenden. Bitte nicht weitermachen wie bisher und willenlos einfach Wünsche von Investoren erfüllen“), der KPÖ und den Grünen wird es wohl keine Zustimmung geben – bleibt noch die SPÖ.

„Wir lehnen die Umwidmung ab und fordern Bürgermeister Prammer auf, die Anlasswidmungen zu beenden. Bitte nicht weitermachen wie bisher und willenlos einfach Wünsche von Investoren erfüllen.“

„Nicht einmal informiert“
„Wir, die direkt betroffenen Anrainer, die an das strittige Investorenprojekt angrenzen, wurden im November 2025 von der Stadt Linz nicht informiert. Wir haben davon nur zufällig erfahren“, sagt die Anwohner-Familie Hirnschrodt. „Wir hatten daher nicht die Möglichkeit, Einwände zur Bebauungsplanänderung zu erheben. Die Anlage ragt mit drei Geschossen unmittelbar vor unseren Gärten in die Höhe. Ein wertvoller alter Baumbestand würde dem Bau zum Opfer fallen.“


INFO „Am Teich“

„Am Teich“ ist eine etwa 240 Meter lange Straße im Linzer Stadtteil Urfahr am Auberg. Die 1941 gewählte Bezeichnung der Straße hat eine sehr konkrete historische Begründung: Hier lag tatsächlich lange Zeit ein (bzw. mehrere) Teich(e).

Bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erstreckte sich auf diesem Gelände eine Ziegelei. Der intensive Lehmabbau hinterließ einen bis zu 12 Meter hohen, steilen Abhang und große Gruben. Nach der Stilllegung der Ziegelei (Anfang der 1920er Jahre) nutzte man die entstandenen Mulden und schuf daraus Fischteiche bzw. einen größeren Aubergteich. Diese Gewässer waren lange Zeit präsent und prägten die Gegend.

Umgestaltung in der NS-Zeit
Beim Bau der Nibelungenbrücke (1938–1940) und der umfassenden Umgestaltung der Brückenköpfe fielen große Mengen Bauschutt an – unter anderem von abgerissenen Häusern im Zuge der „Neugestaltung“ Linz’ in der NS-Zeit. Dieser Schutt wurde gezielt hierher transportiert, um das Ziegeleigelände großflächig aufzuschütten und zu planieren. Dadurch verschwanden die meisten Teiche oder wurden stark verkleinert. Das so gewonnene Bauland wurde in der Folge verbaut – insbesondere entstanden hier in den 1940er-Jahren Teile der sogenannten Aubergsiedlung (eine NS-Zeit-Wohnsiedlung, u. a. Am Teich 2–30). Noch bis in die 1960er-Jahre gab es zumindest einen verbliebenen Teich, der im Winter als Schlittschuhteich genutzt wurde.

Der heutige Modellteich
Der letzte erhaltene, rechteckige Teich existiert bis heute – wenn auch stark verändert. 1984 hat die Naturkundliche Station der Stadt Linz diesen etwa vier Meter breiten Tümpel (in einer Gemeinschaftsaktion u. a. mit dem ORF) zu einem Modellteich für ökologisch wertvolle Kleingewässer umgestaltet. Er dient seither als Anschauungsobjekt und Demonstrationsfläche für naturnahe Gewässergestaltung, Amphibienschutz, natürliche Uferzonen und biologische Vielfalt in der Stadt. Der Teich liegt charakteristisch genau in der Kurve der Straße „Am Teich“, direkt angrenzend an das geplante neue Bauprojekt.

Noch interessanter ist der Eingang zu einem Stollen unmittelbar hinter dem Biotop: Es handelt sich um einen der kleineren Luftschutz- bzw. Splitterschutzstollen, die in der NS-Zeit (1943) in den Auberg bzw. in den anstehenden Hang getrieben wurden. Solche Stollen sind auch aus anderen Teilen von Urfahr (z. B. Spallerhof, Kapuzinerstraße) bekannt und dienten dem Schutz der Zivilbevölkerung vor Luftangriffen.

Titelfoto: zVg

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