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    „Bei null Grad Wassertemperatur ist noch nicht Schluss“

    5. Januar 2021
    in Freizeit
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    Er ist einer der bekanntesten Eisschwimmer Europas und Präsident der ‚Ice Swimming Association Austria‘: Josef Köberl (43). Dem gebürtigen Bad Ischler, der mit der gefrorenen Wärmflasche ins Bett geht, kann es beim Schwimmen und Baden nicht kalt genug sein. 

    Josef Köberl – wie kommt man auf die nicht gerade kuschelige Idee, Eisschwimmen zum Lebensinhalt zu machen?
    2011 hatte ich beschlossen, beim 1. Hallstättersee Schwimm Marathon den See zu durchschwimmen. Nach dem Finish glaubte ich, den Ärmelkanal auch durchqueren zu können. Danach begann ich zu recherchieren – und da gaben mir Ärmelkanalschwimmer den Tipp mit dem Kaltwasserschwimmen. Ab da war ich den ganzen Winter beinahe täglich im kalten Wasser.

    Was macht eiskaltes Wasser mit dem Körper? Gesund kann das ja nicht sein, oder?
    Der Körper beginnt, nach dem er ins kalte Wasser kommt, mit einem Notprogramm. Er schützt die lebensnotwendigen Organe. Daher kühlen zuerst die Extremitäten aus. Nach dem Eisschwimmen beginnt er wieder langsam, sich zu erwärmen. Man sollte ihn das auch selbst machen lassen. Der Körper zittert sich warm.

    Sie sind ja auch Präsident der Ice Swimming Association Austria. Wie sieht denn der klassische Eisschwimmer aus?
    Den klassischen Eisschwimmer gibt es nicht. Ob Körperfigur, Größe, Beruf oder Religion – bei uns gibt es alles. Und jeder ist willkommen.

    "Draußen ist es meist kälter als drin": Josef Köberl in seinem Element. (Foto: Christian Bruna)
    „Draußen ist es meist kälter als drin“: Josef Köberl in seinem Element. (Foto: Christian Bruna)

    Gibt es auch negative Seiten des Eisschwimmens – von möglichen Erfrierungen abgesehen?
    Man kann alles übertreiben und ja – man kann auch sterben. Man muss den Umgang mit kaltem Wasser erlernen, oder besser gesagt langsam erarbeiten. Zu Beginn sollte man nicht bei einem Grad ins Wasser steigen, sondern mit den fallenden Temperaturen im Herbst mitgehen. So passt sich der Körper an.

    Wann wird’s selbst für Sie gefährlich?
    Einen ärztlichen Check vorab kann ich nur empfehlen. Menschen mit Herzkreislaufproblemen, Thrombosen und dergleichen sollten es sein lassen. Ich selbst hatte hohen Blutdruck – jetzt habe ich einen ausgezeichneten.

    Schon mal zusammengeklappt?
    Bei einigen Trainingseinheiten bin ich schon ans Limit gegangen. Unter www.josefkoeberl.at gibt es Videos, wo man sieht, wie es mir da so geht.

    Anders als bei anderen Sportarten – Stichwort Schneller, Höher, Weiter – ist bei etwa null Grad Wassertemperatur Schluss. Gibt es dennoch einen Kick, um kältemässig neue Grenzen auszuloten?
    Ja, der Mensch ist so. Sonst säßen wir noch auf den Bäumen. Außerdem: Bei null Grad Wassertemperatur ist nicht Schluss. Am Hintertuxer Gletscher machen wir im Natureispalast Trainingseinheiten bei -0,4 Grad Wassertemperatur.

    Für ‚Warmduscher‘ wie unsereins grenzen ja bereits 16 Grad Wassertemperatur an Menschenrechtsverletzung. Kann man sich dauerhaft an arktische Wasservergüngungen um null Grad gewöhnen?
    Gewöhnen hieße ja, dass man nicht mehr raus will. Aber man kann sich abhärten, um länger in dieser lebensgefährlichen Umgebung zu schwimmen.

    Josef Köberl und seinen Einschwamm-Kollegen kann das Wasser nicht kalt genug sein. (Foto: Christian Bruna)
    Josef Köberl und seinen Eisschwimm-Kollegen kann das Wasser nicht kalt genug sein. (Foto: Christian Bruna)

    Müssen Sie selber noch ständig trainieren, um an die kalte Wassertemperatur gewohnt zu bleiben – oder ist das wie Radfahren, das verlernt man auch nie mehr?
    Mit der Zeit lässt sich der Körper auf die Kälte ein. Aber auch ich muss immer daran arbeiten. Ich liebe die Kälte und daher ist es für mich eine Art Lebensphilosophie. Anders hält man es im Nordkanal zwischen Irland und Schottland 15 Stunden in 13-14 Grad kaltem Wasser nur mit der Badehose nicht aus.

    Der Sommer und Wassertemperaturen von 20 Grad und mehr müssen für Sie ja die Hölle sein, oder?
    Im Sommer schwimme ich meistens in der Nacht oder in kühleren Seen. Zuhause halte ich oft Coolpacks in den Händen oder gebe gefrorene Wasserflaschen ins Bett.

    Weitere Infos zu Josef Köberl: www.josefkoeberl.at

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