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Viel zu viele Supermärkte: Braucht es das PRO Kaufland wirklich?

Bereits jetzt: Über 12 Supermärkte im Umkreis von einem Kilometer in Urfahr

8. Juni 2026
in Freizeit, Linz, Meinung
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Auch wenn die Politik die bevorstehende Wiedereröffnung des PRO Kauflandes als „wichtigen Nahversorger“ herbeisehnt und bejubelt:  Nirgendwo in Europa gibt es so viele Supermärkte pro Einwohner wie in Österreich. In einem Umkreis von einem Kilometer rund ums PRO gibt es bereits jetzt mindestens zwölf weitere Supermärkte. Viel sinnvoller wäre es gewesen, auf dieser zentralen Urfahraner Fläche lebenswerten Wohnraum zu schaffen, statt einen immer noch riesigen Parkplatz und wie gehabt einen weiteren XL-Supermarkt. Das Ergebnis sind versiegelte Flächen, steigende Kosten und eine immer stärkere Marktkonzentration – während die Preise für die Konsumenten trotzdem hoch bleiben.

Das neue PRO in Urfahr wird am 25. Juni nach einem rund 35 Millionen Euro teuren Komplettumbau wiedereröffnet. Das Einkaufszentrum umfasst künftig 18 vollständig vermietete Geschäftsflächen. Größter Mieter bleibt BILLA Plus, dazu kommen unter anderem ein Asia-Supermarkt, Gastronomieangebote, Dienstleister und weitere Nahversorger. Das Areal selbst umfasst rund 40.000 m², das frühere Kaufhaus verfügte über etwa 10.000 m² Verkaufsfläche. Im Außenbereich gibt es 400 Komfort-Parkplätze.

Langfristig soll das Gelände zu einem gemischt genutzten Stadtquartier mit Handel, Grünflächen und Wohnnutzung weiterentwickelt werden, so der Plan. Ob es nach diesem großen Umbau allerdings tatsächlich dazu kommt, ist offen. Jetzt geht es mal mit der bisherigen Nutzung als Einkaufszentrum weiter.

„In einer zweiten Phase soll die Weiterentwicklung des Areals zu einem Quartier mit Wohnbauten und Begrünungen erfolgen. Es ist auch geplant, die bisher als Parkplatz genutzten Flächen zu entsiegeln und damit teilweise der Natur bzw. den Menschen zur Naherholung und Freizeitgestaltung zurückzugeben“, hieß es 2023 bei der Projektpräsentation.

Enorme Supermarktdichte in Österreich, trotzdem hohe Preise
Wer durch Österreich fährt, gewinnt oft den Eindruck, dass zwischen zwei Kreisverkehren zwangsläufig ein Billa, Spar, Hofer oder Lidl stehen muss. Tatsächlich zählt Österreich zu den Ländern mit der höchsten Supermarktdichte Europas. Rund 60 Supermärkte pro 100.000 Einwohner bedeuten nahezu doppelt so viele Standorte wie im EU-Durchschnitt und auch deutlich mehr als in Deutschland.

Dass nach dem jetzigen, 35 Millionen Euro teuren Komplettumbau des Einkaufszentrums  in absehbarer Zeit das angekündigte Projekt eines gemischten Wohn-, Grün- und Gewerbegebiets umgesetzt wird, glaubt selbst in der Stadtpolitik keiner mehr.

Echter Wettbewerb fehlt
Diese  Fehlentwicklung hat hohe Folgekosten. Denn jede Filiale benötigt Grundstücke, Parkplätze, Zufahrten, Personal, Energie und Logistik. Diese Kosten verschwinden nicht – sie landen letztlich im Produktpreis. Studien und Branchenanalysen führen die hohe Filialdichte daher als einen Grund an, warum Lebensmittel in Österreich deutlich teurer sind als in Deutschland. Besonders bemerkenswert: Trotz der enormen Anzahl an Standorten herrscht kein echter Wettbewerb. Im Gegenteil. Die vier großen Anbieter Spar, Rewe, Hofer und Lidl kontrollieren mittlerweile rund 95 Prozent des österreichischen Lebensmittelmarktes.

Auch Oberösterreich ist von dieser Entwicklung stark betroffen. Gerade hier zeigt sich die fortschreitende Konzentration besonders deutlich. Nach dem Aus von Unimarkt wurden zahlreiche Standorte von Spar und Rewe übernommen. Dadurch wächst die Marktmacht der großen Ketten weiter.

Kommentar
Nein, eine Versorgungslücke wäre nicht entstanden, hätte man das PRO Kaufland weggeschoben und auf dieser Top-Lage stattdessen – wie ursprünglich geplant – ein neues grünes Stadtviertel, ja ein neues (oder zweites) Zentrum Urfahrs realisiert. Stattdessen hat sich der Projektbetreiber Rutter Immobilien für ein „More of the Same“ entschieden.

Das PRO Kaufland wurde zwar ein bissl aufgehübscht, heraus kam aber ein herkömmliches Einkaufszentrum mit einem nach wie vor abstoßenden, riesigen, versiegelten Parkplatz, das machen auch ein paar Zierbäumchen, die keine Chance auf echtes Wachstum haben, nicht besser. Und dass nach dem jetzigen, 35 Millionen Euro teuren Komplettumbau des Einkaufszentrums  in absehbarer Zeit das angekündigte Projekt eines gemischten Wohn-, Grün- und Gewerbegebiets umgesetzt wird, glaubt selbst in der Stadtpolitik keiner mehr.

„Trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen ist es uns gelungen, heuer gezielte Grundlagenarbeit für große Stadttransformationen zu leisten, die zukunftsweisend für eine nachhaltige Stadtentwicklung sind“, sagte 2023 der damalige Stadtrat Dietmar Prammer. Wie bitte? „Nachhaltige Stadtentwicklung“ ist ein weiteres Einkaufszentrum samt riesigem Parkplatz mit wenig Grün nicht – schon gar nicht bei der erwähnten Dichte an Supermärkten. 

 

Rendering: Riepl Riepl

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