Was Linzplus-Fraktionsobmann Lorenz Potocnik seit 2019 fordert, findet mit einigen Jahren Verspätung auch im Linzer Rathaus Gehör: Eine gemeinsame Zukunftsregion Linz-Wels soll den oberösterreichischen Zentralraum stärken. Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) und sein Welser Amtskollege Andreas Rabl (FPÖ) präsentierten dazu ein 13-Punkte-Programm. Der ursprüngliche Ideengeber Potocnik freut sich über den späten politischen Rückenwind – sieht aber noch erheblichen Verbesserungsbedarf.
Bereits Ende 2019 begann Stadtentwickler Lorenz Potocnik, seine Vision einer „Regiopole“ für den oberösterreichischen Zentralraum voranzutreiben. Linz, Wels und die umliegenden Gemeinden sollten nicht länger in Gemeindegrenzen denken, sondern ihre wirtschaftlichen, infrastrukturellen und gesellschaftlichen Potenziale gemeinsam entwickeln. Die Idee brachte Potocnik in Budgetreden, politischen Anträgen, Wahlkämpfen und zahlreichen persönlichen Gesprächen ein.

„Nach sechs Jahren Seedings ist die Idee offenbar endlich gelandet, das freut mich sehr“, kommentiert Potocnik die aktuelle Initiative der beiden Bürgermeister. „Seit Ende 2019 promote ich diese Idee einer vollkommen neuen Zusammenarbeit im OÖ Zentralraum, wo ich kann: In Budgetreden (2019), Anträgen (2020) und zahllosen persönlichen Gesprächen, auch im Zuge der Wahlen 2021 und des Bürgermeisterwahlkampfs 2024.“ Zuletzt habe er das Konzept bei einem intensiven Austausch mit dem neuen Linzer Wirtschafts- und Innovationsstadtrat Thomas Gegenhuber erneut eingebracht.
Aus Potocniks „Regiopole“ wird Prammers Metropolregion
Die inhaltlichen Parallelen sind auffällig: Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsame Standortentwicklung, mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit und das Ende des kommunalen Kirchturmdenkens. Auch die Größenordnung von rund 600.000 Menschen deckt sich mit Potocniks ursprünglichem Konzept. Einen wesentlichen Unterschied sieht der Linzplus-Politiker allerdings bereits bei der Bezeichnung: „Es wird von einer ‚Metropolregion‘ gesprochen und nicht von dem, was es ist, nämlich einer Regiopole“, so Potocnik.
Der Unterschied ist markant: Während Metropolregionen üblicherweise große, international bedeutende Ballungsräume bezeichnen, sind Regiopolen regionale Zentren abseits der großen Metropolen, die gemeinsam mit ihrem Umland wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung vorantreiben. In Deutschland gibt es dafür mit dem Deutschen RegioPole-Netzwerk bereits etablierte Modelle.

„Eine Arbeitsgruppe und 13 Punkte sind zu wenig“
Potocnik geht es allerdings um weit mehr als um die richtige Bezeichnung. Er befürchtet, dass die neue Zusammenarbeit wie so oft in Linz auf eine Arbeitsgruppe und einen Maßnahmenkatalog reduziert wird. „Statt einer Arbeitsgruppe und 13 Punkten, die es ‚abzuarbeiten‘ gilt, braucht es viel mehr eine Vision, getragen von gemeinsamen Bildern und neuen Formaten der Zusammenarbeit.“
Für den Stadtentwickler braucht die Region zwischen Hagenberg, Linz und Wels eine gemeinsame Identität, eine überzeugende Zukunftserzählung und vor allem neue Strukturen, die über die bisherigen Gemeindegrenzen hinausreichen. Potocnik möchte den oberösterreichischen Zentralraum als zusammenhängenden Lebens- und Wirtschaftsraum sichtbar machen.
„Es braucht neue Wörter, neue Bilder und innere Karten, um diesen Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Hagenberg, Linz und Wels über Jahre voranzutreiben.“
Das Rad müsse dafür keineswegs neu erfunden werden. Zahlreiche europäische Regionen würden bereits erfolgreich zeigen, wie Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg funktionieren kann. Besonders verweist Potocnik auf die Niederlande, wo regionale Kooperation einen hohen Stellenwert besitzt.
Potocnik warnt vor einem weiteren Papiertiger
Trotz seiner Freude über die neue Initiative bleibt der Linzplus-Fraktionsobmann skeptisch, ob ein 13-Punkte-Programm tatsächlich ausreicht, um jahrzehntelang gewachsene Strukturen aufzubrechen. „Denn ohne neue Bilder, ohne neue Erzählungen für die gemeinsame Region, über das Klein-Klein hinaus, und ohne neue Strukturen und Gelder wird auch dieser Plan ein Papier bleiben.“ Dass Prammer und Rabl nun eine Idee aufgreifen, die Potocnik seit sechs Jahren propagiert, zeigt jedenfalls, wie lange politische Visionen manchmal brauchen, um in den Rathäusern anzukommen.
Mehr zur ursprünglichen Idee: www.linza.at/regiopole
Deutsches RegioPole-Netzwerk: www.regiopole-netzwerk.de
Screenshot Titelfoto: Open Street Map
















