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„Fake-Fassaden nach China-Vorbild“

Bundesdenkmalamt genehmigt Abriss eines historischen Ensembles, fordert aber Fassadennachbau

10. April 2026
in Freizeit, Klima, Linz, Politik
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Es hört nicht auf: Wieder wird ein Linzer Gründerzeithaus der Abrissbirne zum Opfer fallen. Das 1898 erbaute Haus in der Goethestraße 55 weicht einem sechsgeschoßigen Neubau. Das Haus ist – oder besser gesagt war – besonders wertvoll, weil es inmitten eines der letzten erhaltenen Ensembles stand. Im Sommer 2025 wollte der Eigentümer des Hauses Goethestraße 55 das wunderschöne Zinshaus noch schnell abreißen. Aufmerksame Nachbarn schlugen Alarm und riefen das Denkmalamt auf den Plan. Am 13.8.2025 wurde ein Blitzbescheid erlassen, trotzdem wurden einen Tag darauf noch die Stuckaturen heruntergerissen – wohl, um im letzten Moment noch Fakten zu schaffen.

Jetzt wird es völlig absurd: Nun soll das Haus doch (rechtmäßig) abgebrochen werden dürfen und in ähnlicher Form unter Auflagen des Denkmalamts neu aufgebaut werden. Kritiker sprechen von „Pseudo-Denkmalschutz“ und „Fake-Fassaden nach China-Vorbild“ …

Völlig verrückt, was das Bundesdenkmalamt da in der Linzer Goethestraße aufführt: Nachdem man 2024 quasi vergaß, das historische Gebäudeensemble in der Goethestraße unter Schutz zu stellen, begann der Hausbesitzer 2025 trotzdem noch schnell, die Neorokokofassade zu zerstören, um Tatsachen zu schaffen. Daraufhin wurde ein Stopp verhängt. Die Hoffnung war, dass alle vier Gründerzeithäuser unter Schutz gestellt werden.

Nun gab es aber grünes Licht für den Abriss und den Neubau. Dabei wurde angeblich mit dem Denkmalamt „vereinbart“, dass das Haus abgerissen und in „ähnlicher Form“ wieder aufgebaut werden soll. „Disneyland lässt grüßen. Verlogener kann man mit unserer historischen Bausubstanz nicht umgehen“, sagt Gemeinderat und Stadtentwickler Lorenz Potocnik von LinzPLUS.

„Wird mit diesem Beispiel in Zukunft jedes schöne Haus abgebrochen werden können, um es dann mit Styropor, Beton und Kunststofffenstern sowie einer Tiefgarage wieder aufzubauen? Wird am Ende noch alles geschrumpft, um ein zusätzliches Geschoss (Altbauten haben in der Regel größere Raumhöhen als Neubauten) hineinzuquetschen? Geht es um Theaterkulissen, oder geht es um wertvolle Substanz und Strukturen?“

Dass die Stadt im Vorfeld keine rechtliche Handhabe hat, wie seitens Bürgermeister Prammer regelmäßig  behauptet, stimmt nicht. Sie legt mit entsprechenden Bebauungsplänen (vergrößerte Baufenster, erhöhte Geschossigkeit und fehlendem Unterbauungsschutz in den Innenhöfen) den Pfad zum Abbruch selbst fest. Die Stadt ist wesentlicher Verursacher dieser Abbrüche. Dann zu behaupten „Ihnen seien die Hände gebunden“ ist zynisch. Abgesehen davon, „wenn die Stadt klar machen würde ‚Wir wollen die alte Bausubstanz erhalten, bitte lasst sie stehen‘, dann hat das Gewicht und ist ein klarer Wille. Denn am Ende des Tages sitzt die Stadt am längeren Ast – das wissen auch die Investoren. Keiner lässt sich auf einen Streit ein, der den Neubau vielleicht verzögert. Das Problem ist: Es wird gekuscht, und die Stadt will diese Karte nicht ausspielen“, so Lorenz Potocnik.

Das mittlerweile nicht mehr intakte Haus Goethestraße Nr. 55 im Herzen des Ensembles von 1898.

„Ich lehne diese Art des Pseudo-Denkmalschutzes kategorisch ab“, so Potocnik. „Wenn es der Denkmalschutz und die Stadt nicht schaffen, historische Substanz mit all ihren Stärken zu erhalten, dann lieber gleich zeitgenössisch bauen. Denn Fake-Fassaden gibt es genug – und diese erzählen und können nichts, außer zu täuschen. Das sollten wir Touristenattraktionen in China und dem Prater in Wien überlassen.“

Ein wesentlicher Grund für die Abrisswut ist auch das veraltete Förderwesen im Wohnbau. Dort werden Neubauten klar besser gestellt, während Sanierungen und Aufstockungen benachteiligt werden. Lorenz Potocnik: „Dabei steckt gerade in der Sanierung von Wohnbauten ein enormer Hebel, um Ressourcen zu schonen,  leistbaren Wohnraum zu erhalten und die Klimaneutralität zu erreichen.“

Beim Sanieren von Altbauten geht es um viel mehr als um die historische Substanz oder das historische Ortsbild. Altbauten sind die ökologischste Form des Wohnens; eine Sanierung schont enorm viel Energie und Ressourcen: „Es liegt daher im städtischen, öffentlichen und volkswirtschaftlichen Interesse, Sanierungen voranzutreiben. Die Bauindustrie ist verantwortlich für ein Drittel des Ressourcenverbrauchs. Wenn wir die Klimahauptstadt und die angestrebte Klimaneutralität ernst nehmen, dann müssen wir vor allem den Bestand schützen, sanieren und weiterbauen.“
Und: „Bestand erschwert Tiefgaragen. Das wiederum macht Wohnen billiger und reduziert den MIV sowie die Vernichtung von gewachsenem Boden in den Innenhöfen.“

 

 

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