Die unbeschwerte Zeit hat begonnen. Zumindest die nächsten zehn Tage blendet das lachende, trinkende und feiernde Linz die Schwere des politischen Alltags aus. Ganz gelingt es aber nicht.
Der Urfahraner Frühjahrsmarkt hat Einzug in die Stadt gehalten. Heuer wird erstmals ganze elf Tage lang getanzt (am Biertisch), gebechert (überall), gefahren (Autodrom), gelacht (im Lach-Freu-Haus) und geschoben (durchs Gedränge) – oder besser gesagt verschoben… wie etwa die seit 2017 mit regelmäßiger Unverbindlichkeit versprochene Umgestaltung des Jahrmarktgeländes. Nach der mehrmaligen Neuterminisierung des Entsiegelung-Baubeginns soll’s nun aber wirklich (ganz großes Indianerehrenwort von Häuptling Roter Didi) im Herbst endgültig losgehen.
Leider wird aber erst mal nicht ENT-, sondern weiter VERsiegelt, denn der grüne Uferstreifen (der letzte lebendige Bereich in der dortigen Betonwüste) wird mit Sitzstufen aufgepimpt (manche nennen es auch zubetoniert), zusätzlich soll laut Entwürfen eine Beton-Assichtsplattform kommen, die allerdings auf gleichem Niveau liegt wie der angrenzende Treppelweg, also zwei Meter über dem Donauwasserspiegel. Mit Aussicht wird’s da nicht viel spielen. Als Kompromiss für das (noch) Nicht-Entsiegeln könnte man Treppen und Aussichtsplattform ja Grün anpinseln – selbiges tat man ja bereits vor Jahren, als man den Jahrmarkt-Schotterparkplatz asphaltierte. Green Pinseling ist das neue Green Washing.
Besonders am Jahrmarkt hervor tut sich diesmal Vizebürgermeister Martin Hajart. Er hat sich vor gut einem Jahr den zusätzlichen Titel „Marktreferent“ umgehängt und somit auch den (durchaus dankbaren) Urfix. Spät aber doch – möglicherweise bei einer horizonterweiternden Jahrmarkt-Mass Bier? – dürfte sich bei ihm die Einsicht manifestiert haben, dass mit dem Thema Radfahren und (großzügige) Radwege kein Krieg und schon gar keine Wahl zu gewinnen ist. Dann schon eher als „Spaßminister“ für Volksfeste und Märkte – wiewohl gesagt werden muss: Der lederhosenliebende Vizebürgermeister hat richtig frischen Wind in den staubigen Urfahraner Jahrmarkt gebracht, fünf neue (statt ständig die selben) Fahrgeschäfte sollen dabei erst der Anfang sein.
In der Warteschleife rotiert auch die Umgestaltung des Linzer Hauptplatzes. So hätten ab Herbst etwa 400 m² Fläche rund um den Neptunbrunnen entsiegelt werden sollen. Große Platanen wurden laut Siegerprojekt in Aussicht gestellt, ebenso „bewegliche Sitzgelegenheiten und ein Trinkbrunnen. Ein neuer Promenadensaum aus Granit ermöglicht barrierefreies Gehen, er bietet Raum für Restaurants, Kunst und nachhaltige Fortbewegung.“ Klingt kuschelig, kommt aber heuer nicht, aber nächstes Jahr ganz bestimmt (ganz großer Zwinkersmiley), zumindest ein Spatenstich geht sich im Wahljahr 2027 gewiss aus, danach wird dann ein paar Jahre lang eh nicht mehr so heiß gegessen.
Laut offizieller Begründung wurden Bodenuntersuchungen und eine dringend nötige Sanierung der Hauptplatz-Tiefgaragendecke als die Schuldigen für die neuerliche Verschiebung ausgemacht. Könnte aber auch sehr gut sein, dass wieder mal das immer bodenlosere Finanzloch der Stadt Linz den Baustart aufgefressen hat.
Dieses Wochenende steht der erste Tag des nicht mehr ganz so neuen Jahres ins Haus, an dem erstmals der 30er angerissen wird. Unklar ist noch, ob anderntags medial der heißeste 3. Mai seit der Erfindung des Thermometers diagnostiziert wird. Man darf aber aber stark davon ausgehen, inklusive der daraus resultierenden, unausweichlichen Erdverkochung. Linz on Fire.
Apropos Fire – äh, Feuer: Das entzündeten letzte Nacht um 01:30 Uhr vom Cupfinale aus Klagenfurt heimkehrende LASKler in Form eines mehrminütigen Feuerwerks am Linzer Hauptplatz. Die Anrainer waren im wahrsten Sinn des Wortes HELLauf „begeistert“. Man darf sich ausmalen, wie Linz dann erst im Falle der Erringung des Meistertitels „brennen“ wird. Die Wasser-Apotheke am Hauptplatz hat laut Fuzo-Funk bereits mehrere Paletten Ohropax geordert, die immer noch sonder Zahl auf Halde liegenden FFP2-Masken werden in nächtlichen Sonderschichten zu Schlafbrillen für geblendete Innenstadtbewohner umgenäht.
Zum Schluss nochmals zurück auf die andere Donauseite: Keinesfalls heiß gestaltet sich heuer – seltsamerweise – die Diskussion um die Preise am Urfahraner Jahrmarkt. Keinen regt mehr auf, dass das Hendl mit Pommes an der 20 Euro-Schallmauer kratzt (19,80) und man in die meisten Fahrgeschäfte erst ab 4 Euro aufwärts einsteigen darf. Die Teuerung hat eben auch gedanklich bereits dermaßen von uns Besitz ergriffen, dass selbst Mondpreise galaktisch günstig erscheinen. Prost ihr Säcke!














