Ob Laternenmasten, Verkehrsschilder, Stromkästen oder Haltestellen: Linz wird zunehmend zur riesigen Gratis-Werbefläche für Fußballfans und andere Sticker-Freunde. Besonders, aber nicht nur Aufkleber von LASK und Blau-Weiß Linz prägen vielerorts das Straßenbild. Manche Laternenmasten sind regelrecht „mehrfach beschichtet“. Selbst private Hausfassaden und Autos bleiben nicht verschont. Dabei gäbe es längst technische Möglichkeiten, dem wilden Bekleben ein Ende zu setzen. Andere Städte zeigen, wie es geht.
Wer mit offenen Augen durch Linz spaziert, kennt das Bild: Kaum ein Laternenmast, kaum ein Verkehrsschild, auf dem nicht irgendwelche Aufkleber kleben. Besonders auffällig sind die unzähligen Sticker aus der Fanszene der beiden großen Linzer Fußballvereine LASK und Blau-Weiß Linz. Oft kleben gleich mehrere Dutzend übereinander, manche Masten sind von oben bis unten regelrecht zugepflastert. Logisch: Die Pickler lassen sich um wenige Euros bei Online-Druckereien tausendfach bestellen. Und die Gefahr, beim Kleben erwischt zu werden, geht gegen Null.
Die Aufkleber verwittern, reißen ein, werden überklebt und hinterlassen hässliche Klebereste. Aus einzelnen Stickern werden mit der Zeit regelrechte Aufkleber-Schichten. Besonders ärgerlich: Die Sticker-Flut macht auch vor privatem Eigentum nicht halt. Hausfassaden, Geschäftsauslagen, Eingangstüren und sogar parkende Autos werden ungefragt beklebt. Für die Betroffenen bedeutet das zusätzlichen Reinigungsaufwand, mögliche Schäden und Kosten.

Die Stadt als Gratis-Werbefläche?
Während illegale Graffiti regelmäßig für politische Diskussionen sorgen, wird das Problem der Aufkleber oft unterschätzt. Dabei sind die Sticker im öffentlichen Raum wesentlich weiter verbreitet als großflächige Schmierereien. Das Entfernen ist mühsam: Wer schon einmal versucht hat, einen Aufkleber von einem Laternenmast zu kratzen, kennt das Problem. Oft bleiben hartnäckige Klebereste oder halbzerfetzte Aufkleber zurück. Bei empfindlichen Oberflächen drohen zudem Kratzer oder Beschädigungen. Dabei gibt es längst technische Lösungen, mit denen sich ganze Straßenzüge wesentlich effizienter reinigen ließen. Alleine Linz tut so gut wie nix gegen die Pickerlflut
Heißdampf statt mühsames Kratzen
Professionelle mobile Reinigungsgeräte arbeiten mit Heißwasser, Dampf und speziellen Klebstofflösern. Die Wärme weicht den Klebstoff auf, sodass sich viele Sticker deutlich leichter entfernen lassen. Ein Beispiel ist das mobile Heißwasser-Hochdrucksystem DYNAJET 350th. Solche Geräte sind ausdrücklich auch für die Entfernung von Aufklebern auf Laternenmasten, Stromkästen und Abfallbehältern vorgesehen. Für empfindliche Glasflächen, lackierte Masten oder Verkehrsschilder braucht es allerdings angepasste Verfahren mit geringem Druck und geeigneten Reinigungsmitteln. Mit entsprechend ausgerüsteten Reinigungsteams könnte Linz besonders stark betroffene Straßenzüge systematisch von alten Aufklebern befreien.
Noch besser: Aufkleber gar nicht erst haften lassen
Eine weitere Möglichkeit sind spezielle Anti-Sticker-Beschichtungen. Sie erschweren das dauerhafte Anhaften von Aufklebern und machen die spätere Entfernung wesentlich einfacher. Gerade bei neuen Laternenmasten, Stromkästen und anderen häufig beklebten Einrichtungen könnte eine solche Schutzschicht langfristig Reinigungsaufwand und Kosten reduzieren. Statt jeden Aufkleber mühsam abzukratzen, könnten städtische Reinigungsteams deutlich schneller arbeiten. Innsbruck hat damit gute Erfahrungen gemacht.
Kommentar: Auch die Fußballvereine sind gefragt
Natürlich kann nicht jeder LASK- oder Blau-Weiß-Fan für das Verhalten einzelner Sticker-Kleber verantwortlich gemacht werden. Dennoch könnten beide Vereine gemeinsam mit ihren Fanszenen einen Beitrag leisten. Eine gemeinsame Initiative – etwa ein Aufruf – der Stadt mit beiden Fußballvereinen wäre ein sinnvoller Ansatz, um das Problem an der Wurzel anzugehen.
Zusätzlich könnten die Vereine den ausufernden Verkauf der Aufkleber, die von Fanclubs in 100er-Packln um 5 Euro in den Stadionkatakomben bei Heimspielen ganz offiziell verkauft werden, unterbinden. Und: Warum organisieren die Vereine und die Fans eigentlich nicht regelmäßige Säuberungsaktionen im Stadionumfeld? Das würde nicht nur die Wohngebiete, sondern auch das Image der Fans und der Klubs aufpolieren.

















