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    Verhindern ausgerechnet die Grünen das Linzer Seilbahnprojekt?

    10. August 2020
    in Linz, Politik
    Leistungsfähigkeit einer urbanen Seilbahn im Vergleich (Grafik: Doppelmayr GmbH)

    Leistungsfähigkeit einer urbanen Seilbahn im Vergleich (Grafik: Doppelmayr GmbH)

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    Die Seilbahn von Ebelsberg ins Linzer Industriegebiet rückt in weite Ferne: Nach ersten positiven Förder-Signalen seitens des Bundes steigt die zuständige grüne Ministerin Leonore Gewessler jetzt auf die Bremse – obwohl gerade die Grünen die Unterstützung urbaner Seilbahnprojekte explizit im Regierungsprogramm festgeschrieben haben. Möglicherweise steckt dahinter eine grüne Retourkutsche, vermuten zumindest Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) und sein Vize Markus Hein (FPÖ).

    Eine Linzer Stadtseilbahn hätte tatsächlich Charme – unsere City wäre damit echter Innovationsvorreiter gewesen. „Das Projekt ist aber nur möglich, wenn sich Bund und Land entsprechend beteiligen“, sagte Bürgermeister Klaus Luger bei der Projektpräsentation 2018. 

    Die acht Kilometer lange Verbindung vom Bahnhof Ebelsberg zur Hafencity (mit 1,6km Option nach Steyregg) käme mit nur sieben Stützen aus – Seibahnen mit der sog. „3-Seil-Technik“ machen Abstände von einem Kilometer möglich. Ein städtebaulicher Knackpunkt ist die Höhe dieser Stützen – diese wären bis zu 100 Meter hoch – und damit gleich hoch wie etwa der Terminal Tower am Bahnhof.

    Die mögliche Streckenführung der Linzer Stadtseilbahn von Ebelsberg im dem Linzer Hafen
    Die mögliche Streckenführung der Linzer Stadtseilbahn von Ebelsberg in den Linzer Hafen

    100 Meter hohe Haltestellen
    Angedacht waren 35-er-Gondeln, wobei zwei Drittel davon als Sitzplätze konzipiert sind. Die Strecke war vom Bahnhof Ebelsberg über den neuen „Garten Ebel“ (ehemaliges Kasernengelände) zum Straßenbahn-Umstiegsknoten Wienerstraße weiter über die voestalpine, das Franckviertel und die Industriezeile zum Handelshafen geplant. Als Zusatz stand eine 1,6km-Verlängerung über die Donau zum Pleschingersee (Park&Ride) im Raum.
    Ganz klar für die Seilbahn sprechen Geschwindigkeit und Kapazität: Während die Straßenbahn pro Stunde gerade mal 3.000 Fahrgäste pro Stunde bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21km/h schafft, sind es bei einer Seilbahn bis 5.500 Personen bei einer Speed von bis zu 29km/h.

    Bis zu 100 Meter hoch sollen die sieben Seilbahnstationen/Stützen ausgeführt werden.
    Bis zu 100 Meter hoch sollen die sieben Seilbahnstationen/Stützen ausgeführt werden.

    Bund und Land sollen mitzahlen
    Infrastruktur-Stadtrat Markus Hein hoffte bei den Kosten von mindestens 150 Millionen Euro auf einen 50:25:25-Aufteilungsschlüssel zwischen Bund, Stadt und Land. Der damalige FPÖ-Infrastrukturminister Norbert Hofer hat angekündigt, ein ähnliches mögliches Projekt in Graz mit 50 Prozent fördern zu wollen – diese Zusage müsse auch für Linz gelten, so Hein und Luger damals.

    Stillstand statt Fast Forward
    Nachdem mit Leonore Gewessler eine grüne Politikerin das Infrastruktur-Ressort von Norbert Hofer übernahm, schien die Weiterentwicklung des Projekts in trockenen Tüchern zu sein: Selbst im grün-türkisen Regierungspakt wird die Unterstützung urbaner Seilbahnen erwähnt. Mit der neuesten Aussage des Ministeriums, dass erst eine Gesamtwirkung des Linzer Seilbahnprojekts und der Stadtbahn des Landes nachzuweisen sei, stockt nun wieder alles, vermutlich für Jahre. Unverständlich, denn diese beiden Projekte haben miteinander kaum etwas zu tun, sie bedienen völlig andere Gebiete. Die Stadtbahn wirkt im Linzer Norden, die Seilbahn im Linzer Süden und im Industriegebiet.

    Grüne Retourkutsche?
    Luger und Hein vermuten eine grüne Retourkutsche „wegen unserer kritischen Haltung zur geplanten Finanzierung des 1-2-3-Tickets. Denn auch die Städte sollten – entgegen der medialen Aussagen aus dem Ministerium – beim Ticket kräftig mitzahlen. Alleine die Stadt Linz hat mit 20 Millionen Euro pro Jahr zu rechnen.“

    Im Osten nichts Neues
    Ein Projekt dieser Größe und Bedeutung kann nur realisiert werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Signale aus Wien sind jedenfalls fatal, einmal mehr wird Linz links liegen gelassen. Wie schon beim endlosen Hickhack um die zweite Schienenachse wird ein weiteres wichtiges Projekt verzögert und durch parteipolitisches Gezänk verunmöglicht. Schade, aber leider erwartbar. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs hat es außerhalb der Stadtgrenzen Wiens (wo der Ausbau des U-Bahn-Netzes seit Jahrzehnten großzügig gefördert wird) traditionell schwer – leider auch mit den Grünen.

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