Mit spektakulären Versprechen, die mit Flyern beworben werden, werben„fahrende Händler“ aus dem Sinti- und Roma-Milieu auch im Raum Linz mit Bestpreisen für Pelz-, Antiquitäten- oder Sammlerankäufe. Doch dahinter steckt oft ein hochkriminelles Geschäftsmodell: Im Fokus stehen nicht Pelze, Kameras oder Sammlerstücke, sondern Goldschmuck und Wertgegenstände, die zu weit unter dem Marktwert angekauft werden sollen. Eine neu gegründete Initiative rund um den ehemaligen Anwalt Gerd Schneeweis will den Schurken nun das Handwerk legen und Betroffene unterstützen.
Die Vorgehensweise folgt dabei stets demselben Muster: Über großflächig verteilte Werbeprospekte werden „Ankaufsveranstaltungen“ in Hotels oder Gastbetrieben beworben. Versprochen werden hohe Barzahlungen für Pelze, Antiquitäten, alte Kameras, Münzen, Trachten, Gold, Silber oder andere Sammlerstücke. Teilweise werden Ankaufspreise von mehreren tausend Euro in Aussicht gestellt und damit gezielt Interesse geweckt. Bezahlt wird am Ende mit nur ein Bruchteil des tatsächlichen Werts.

Nach Angaben von Betroffenen stellt sich vor Ort zudem oft heraus, dass die beworbenen Gegenstände gar nicht im Mittelpunkt stehen. Vielmehr werde versucht, die Besucher dazu zu bewegen, zusätzlich Goldschmuck, Diamanten, Erbstücke oder andere Wertgegenstände mitzubringen. Diese würden anschließend häufig überraschend niedrig bewertet oder ihre Echtheit infrage gestellt. Gleichzeitig wird trotz des „niedrigen Werts“ mit besonders hohen Ankaufspreisen oder zeitlichem Druck argumentiert, um rasche Verkaufsentscheidungen herbeizuführen.
„Diese Clans kommen meist aus Deutschland, meinen sich einem Gasthof oder Hotel ein, sind nur eine Woche da und verursachen zigtausend Euro Schaden und Betrug. Die Flyer werden über Post oder als Beilage in der Zeitung verteilt, ohne gültiges Impressum, was die Leute nicht greifbar macht. So schnell wie sie kommen tauchen sie auch wieder unter.“
Genau vor solchen Praktiken warnt die „Initiative zur Bekämpfung von Betrugssystemen“ von Gerd Schneeweis. Er setzt sich für die Aufklärung über Betrugs- und Abzockemaschen ein und unterstützt Menschen, die sich durch fragwürdige Geschäftsmodelle geschädigt fühlen. Ziel des Vereins ist es, insbesondere ältere Menschen vor finanziellen Verlusten zu schützen und für mehr Transparenz bei Ankaufsveranstaltungen zu sorgen.
Selbst Betroffener zeigt typische Vorgehensweise
Gerd Schneeweiß ist selbst Betroffener, im November 2025 wollte er lediglich den Pelzmantel seiner Frau bei einer in einem Hotel veranstalteten Pelzankaufsaktion verkaufen. Beworben wurde diese Veranstaltung wie so oft durch einen Flyer, der einer kleinformatigen Tageszeitung beilag. Doch bereits diese Aktion war illegal, fehlte auf dem Flugblatt doch das rechtlich zwingend nötige Impressum.
Laut Gerd Schneeweis wurde ihm nach einer ausführlichen Begutachtung des Mantels zunächst ein überraschend hoher Ankaufspreis von 1.500 Euro in bar angeboten. Nachdem er seine Zustimmung signalisierte, wurde ihm gesagt, dass ein Ankauf des Pelzes allerdings nur gemeinsam mit dem Verkauf von Goldschmuck möglich sei.

Bei einem zweiten Besuch brachte Schneeweis mehrere Schmuckstücke seiner Frau mit, darunter Goldschmuck, Diamanten sowie eine wertvolle antike Brosche aus Familienbesitz. Mehrere dieser Stücke wurden innerhalb kurzer Zeit als Modeschmuck oder als deutlich weniger wertvoll eingestuft. Auch die Echtheit von Diamanten wurde angezweifelt, obwohl Schneeweis über Bestätigungen von Juwelieren verfügte. Schneeweis, vor seiner Pensionierung erfolgreicher Anwalt, roch den Braten, entschied sich gegen einen Verkauf und gründete den Verein gegen Abzocke.
Besonders dreist: Die Abzocker werben mit dem TV-Slogan „Bares für Rares“ und kopieren die gleichnamige TV-Show auch im Auftritt vor Ort – mit seriösen Anzügen, Optik und Prüfgeräten.
Der Verein empfiehlt, vor einem Verkauf mehrere Vergleichsangebote einzuholen und wertvolle Gegenstände gegebenenfalls von unabhängigen Sachverständigen oder Fachhändlern begutachten zu lassen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Verkäufer unter Zeitdruck gesetzt werden oder mit Aussagen wie „dieses Angebot gilt nur heute“ oder „Höchstpreise, die sie woanders nicht bekommen“ konfrontiert werden. Angeboten wird aber meist nur ein Bruchteil des tatsächlichen Werts – „wir reden da von zehn Prozent oder noch weniger“, so Schneeweis.
Ob Enkeltrick, Schockanrufe, falsche Polizisten, Telefonbetrug oder digitale Betrugsmaschen – Kriminelle gehen immer professioneller vor und richten bei ihren Opfern oftmals nicht nur finanziellen Schaden, sondern auch großes persönliches Leid an. Gerd Schneeweis schuf nun eine Initiative, die genau hier ansetzt und Betroffene sowie deren Angehörige aktiv unterstützt. „Leider ist dir Polizei überfordert und wird erst zu spät aktiv, wir wollen aktiv zu einer besseren Ergreifbarkeit der Täter beitragen“, so Schneeweis.
Hilfe für Betroffene und Angehörige
Durch Aufklärungskampagnen, Informationsveranstaltungen und gezielte Sensibilisierung soll verhindert werden, dass man zum Opfer wird. Gleichzeitig möchte die Initiative dazu beitragen, das Thema stärker in die öffentliche Diskussion zu bringen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Geschädigten. Viele Betroffene schämen sich nach einem Betrugsfall oder ziehen sich aus Angst und Unsicherheit zurück. Der Verein möchte hier eine niederschwellige Anlaufstelle schaffen, die Beratung, Information und Orientierung bietet.
Darüber hinaus setzt sich die Initiative für eine stärkere gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit für das Thema ein. Ziel ist es, Betrugssysteme frühzeitig sichtbar zu machen und gemeinsam mit Behörden, Institutionen und der Zivilgesellschaft wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Informationen: www.vereingegenabzocke.at
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Über die „Initiative zur Bekämpfung von Betrugssystemen“
Das sichtbare Überhandnehmen systematischer Betrügereien hat eine kleine Personengruppe (die Proponenten des Vereins sind zwei ehemalige Rechtsanwälte und ein HTL-Lehrer) veranlasst, diesen Verein zu gründen: „Wir wollen mit unserer Initiative eine breite Informationsplattform schaffen und besonders betroffene Bevölkerungsgruppen, speziell ältere Personen über aktuelle betrügerische Angriffe aufklären. Einerseits zum Schutz der Betroffenen, andererseits aber auch zur Unterstützung bei der Aufklärung gesetzter Straftaten durch Sammeln von Informationen über deren Ablauf. Der Verein kooperiert eng mit den Behörden beim Austausch von Fakten über Gefährdungslagen“, so Vereinsgrüner Gerd Schneeweis.

















