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    Hui oder Pfui: Die Wahlplakate im LINZA!-Check

    13. September 2017
    in Politik
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    Am 15. Oktober wird der neue Nationalrat gewählt. Die aktuellen Sujets der Parteien sind bereits in Umlauf. Wir haben uns die Ideen der „Großen 5“ ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS und Grüne angeschaut. Fazit: Durchwegs ganz solide gemacht, der echte Hingucker und die großen, emotionalen Aussagen sowie wirklich pfiffigen Ideen fehlen teilweise (noch). Für die zweite Plakatwelle gibt’s da und dort Luft nach oben.

    ÖVP / Team Kurz: alles überstrahlender Spitzenkandidat
    KURZAufgeräumt, auf das Wesentliche reduziert. Das seltsame Kurz-Logo mit dem Wahlkreuz (links oben) hätte man sich bei Kurz‘ hohem Bekanntheitsgrad aber sparen können. Dafür ist der Hinweis auf die Homepage (rechts unten) viel zu fragil – vor allem, wenn man weiß, dass das Team Kurz extrem stark aufs Internet und die sozialen Medien setzt.
    „Es ist Zeit“ und „Ein neuer Stil“ (wer hat den nicht schon aller versprochen?) ist eher phrasenartiger Politsprech alter Schule, den es in ähnlicher Form bereits dutzendmal gab. Da wäre inhaltlich schon mehr gegangen. Das profilierte, perfekt ausgeleuchtete Foto von Sebastian Kurz ist jedoch der absolute Bringer und kommt an.

    SPÖ: aufgeräumt und stimmig
    Über Sinn und Unsinn des Slogans „Holen Sie sich, was Ihnen zusteht“ wurde bereits ausufernd diskutiert. Aufgrund der Produktions- und Vorlaufzeiten muss man in der SPÖ mit diesem Sager jetzt wohl leben und das Beste draus machen.
    Die Headline „Österreich ist erfolgreich“ wirkt etwas sehr selbstverliebt und löst bei den vielen, in den letzten Jahren enttäuschten und abgewanderten SPÖ-Wählern sicher keine überbordende Zustimmung aus, sondern lässt eher den Blutdruck steigen. Die erklärende Subline macht es wie erwähnt auch nicht besser.
    Grafisch ist das Ding sehr aufgeräumt und stimmig gemacht – auch wenn der fingerzeigende Kern keine weltbewegende neue Idee darstellt. Das Foto: gutes Spiel mit der Hintergrund-Unschärfe, gelungener Mix an Menschen. Ein „sicheres“ und überraschungsfreies Sujet, das aber eher (nur) bei den Kern-Wählern ankommt.

    SPOE-770

    FPÖ mit Humor
    Die Freiheitlichen versuchens diesmal mit Humor, das Video des dicken Tandem-Mitfahrers wurde binnen kürzester Zeit zum tausendfach geklickten Online-Hit. Schwierig: Auf den Begriff „Fairness“ hat sich auch die SPÖ eingeschossen, USP ist das somit keiner (mehr). Auf den ersten Blick wirkt das Sujet wie eine Deix-Zeichnung – passt und kann man durchaus mal machen. Hie und da mehr Humor würde der Wahlk(r)ampf ganz gut vertragen.
    FPOE-550Im zweiten Durchgang muss aber einen Gang höher geschaltet und der strahlkräftige Spitzenkandidat Strache ins Spiel genommen werden.
    Auch bei den FPÖ-Plakaten wurden von der Werbeagentur die Hausaufgaben gemacht: klare Bildsprache, kurze Slogans und Aussagen.

    Grünes Geschlechterspiel
    Weit besser als das bisherige desaströse Auftreten der Grünen sind deren Plakate mit für die Zielgruppe gelungenen Wortspielen („Mitmenschen, nicht dagegen“, „Europa beginnt in Österreich“…). Der Sager „Sei ein Mann, wähle eine Frau“ unterstreicht aber eher den Vorwurf, dass bei den Grünen nur „Frauenmänner“ willkommen sind. Wie immer stark und impulsiv die grün-pink hinterlegten Headlines. Zusammen mit der eingesetzten Schriftart wirkt dieser Stil entschlossen, aussagekräftig und klar zuordenbar. Ob das reicht, ist allerdings eine andere Frage.
    GRÜNEUlrike Lunacek, die von den Grünen eigentlich bereits nach Brüssel abgeschoben wurde, fehlt es als „Titelmodel“ zudem an Strahlkraft und breitentauglicher Sympathie. Eine Fokussierung auf sie als Person: So eine Plakatkampagne geht mit Sicherheit daneben.

    NEOS verkehrt
    Bei den NEOS-Sujets hat sich ein Kreativer ausgetobt, ohne auf den eigentlichen Zweck zu achten. Verkehrt herum geschriebene Slogans wirken gestalterisch durchaus nett und schräg. Aber gut gemachte Plakate erfasst man innerhalb von Sekundenbruchteilen, zum Rätsellösen oder Kopfstandmachen bleibt im hektischen Alltag meist keine Zeit. Dass eine Headline dann ausgerechnet „Lesen können“ lautet, fällt fast schon unter den Begriff Eigensatire. Nein, kann man nicht lesen, liebe NEOS – und das hat nichts mit der daneben gegangenen Bildungsreform zu tun. Eine andere Headline lautet: „EURÖPA“ – naja: Wortspiele mit Ö im Bezug auf unser Land sind seit der „ÖXIT“-Diskussion keine wirkliche Innovation mehr. Aufwärmen sollte man nur ein Gulasch – das dafür mehrmals.
    Die Sujets wirken sehr reduziert, Aufgeräumtheit kann man jedoch auch übertreiben. Erinnert irgendwie an einen Christbaum ohne Nadeln. Auch die eingesetzten Models sind – Gääähn – eher fade Allerweltsgesichter als trendig-forschrittliche Menschen, die NEOS gerne als Wähler für sich beansprucht. Gut gemacht, allerdings nicht als Plakat.

    NEOS

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