Die monatelange Trockenheit wird in Linz immer sichtbarer: Abschnitte von Haselbach und Diesenleitenbach sind bereits ausgetrocknet, die Pegelstände liegen seit Monaten auf außergewöhnlich niedrigem Niveau. Seit Jahresbeginn fehlen laut Stadtklimatologie rund 50 Milliarden Liter Niederschlag – eine Wassermenge, die etwa 100 Pleschinger Seen entspricht.
Fünf Monate des bisherigen Jahres – Jänner, März, April, Mai und Juli – waren deutlich zu trocken. Lediglich der Februar brachte überdurchschnittliche Niederschläge. Verschärft wird die Situation durch hohe Temperaturen und die damit verbundene Verdunstung. Der Dürreindex SPEI stuft Linz über einen Zeitraum von knapp vier Monaten bereits als schwere Dürre ein, zeitweise wurde sogar beinahe die Schwelle zur extremen Dürre erreicht.

Urfahraner Bäche fallen trocken
Besonders dramatisch zeigt sich die Lage bei den kleineren Urfahraner Gewässern. Zuerst trocknete der Unterlauf des Diesenleitenbachs aus, später fiel auch ein erheblicher Teil des Haselbach-Unterlaufs trocken. Am Haselbach liegen die Pegelstände bereits seit Ende April fast durchgehend unter 20 Zentimetern.
„Neben der Hitze macht uns die Trockenheit auch in Linz immer mehr zu schaffen. Seit Jahresbeginn fehlen etwa 50 Milliarden Liter Niederschlag. Das entspricht rund 100 Pleschinger Seen“, sagt Umweltstadträtin Eva Schobesberger. Die Entwicklung hinterlasse deutliche Spuren in der Stadtnatur und an den Bächen.
„Wir müssen uns darauf einstellen, dass längere Hitze- und Trockenphasen künftig häufiger auftreten. Deshalb passen wir Linz Schritt für Schritt an diese veränderten Bedingungen an. Das Projekt an den Urfahraner Bächen zeigt, dass auch gezielte naturbasierte Maßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten können. Die Biberdammimitate halten Wasser länger zurück und schaffen wertvolle Rückzugsräume für Tiere. Gleichzeitig sehen wir klar, dass solche Maßnahmen Grenzen haben, wenn über längere Zeit kaum Niederschlag fällt.“
Umweltstadträtin Eva Schobesberger
Ganz neu ist das Problem nicht. Bereits Ende August 2024 trockneten Teile der Urfahraner Bäche aus. Damals war auf Höhe der Freistädter Straße beim Haselbach überhaupt kein Gerinneabfluss mehr vorhanden. Anrainer beteiligten sich an der Rettung von Fischen, die Berufsfeuerwehr leitete als Notmaßnahme Wasser in den Bach ein.
Künstliche Biberdämme halten Wasser zurück
Inzwischen versucht die Stadt gemeinsam mit dem Beaver Lab gegenzusteuern. 21 sogenannte „Beaver Dam Analogs“wurden bislang errichtet. Die künstlichen Biberdämme sollen den Abfluss verlangsamen und gemeinsam mit den Dämmen der dort lebenden Biber dafür sorgen, dass Wasser länger in den Bächen bleibt.
Das funktioniert zumindest teilweise: Auf rund 1,5 Kilometern des Urfahraner Sammelgerinnes blieben Wasserflächen erhalten, obwohl andere Abschnitte bereits trocken waren. Hunderte Fische konnten aus trockengefallenen Bereichen in diese verbliebenen Rückzugsräume gebracht werden.
Stadtrat Thomas Gegenhuber sieht darin einen Ansatz für die Anpassung an längere Trockenperioden: „Die Trockenheit zeigt sehr konkret, warum Klimawandelanpassung auch eine Frage vorausschauender Investitionen und kluger Innovation ist.“ Die Erfahrungen sollen zeigen, wie Wasser länger in den Gewässersystemen gehalten werden kann.
Allerdings hat auch die „Bibertechnik“ ihre Grenzen: Sie kann vorhandenes Wasser zurückhalten, aber kein neues erzeugen. Bleibt der Regen über längere Zeit aus und übersteigt die Verdunstung den Zufluss, trocknen irgendwann auch diese Rückzugsräume aus.















