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„Manche Politiker werden sich eine blutige Nase holen“

19. Dezember 2019
in Linz
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Der Stadtentwickler und gelernte Architekt Lorenz Potocnik sitzt seit 2015 für NEOS im Linzer Gemeinderat. Mit unorthodoxen Herangehensweisen schafft er es immer wieder, umstrittene Großprojekte eine Wende zu geben, positiv zu beeinflussen oder gar zu Fall zu bringen. 

Es waren 4,9 Prozent, die Lorenz Potocnik, der für NEOS antrat, bei der Gemeinderatswahl 2015 in Linz holte. Klingt überschaubar, ist für eine erstmals angetretene Fraktion aber beachtlich. Dabei hatte Potocnik, der sich erst 2004 nach Linz orientierte, keine Gedanken daran verschwendet, in die Politik zu gehen. Als NEOS auf der Bildfläche auftauchte, wollte er aber mit dabei sein: „Für mich war aber klar – wenn, dann nur Lokalpolitik in meinem unittelbaren Wirkungskreis.“

„Guerilla-Opposition“ nennt Lorenz Potocnik seine Arbeit im Gemeinderat.  „So soll Oppositionspolitik eigentlich sein: Unbequem, frech und auch subversiv.“ Gibt es bei größeren Projekten Widerstand oder Unmut, wenden sich die Bürger an Lorenz Potocnik – oft auch in Ermangelung anderer Ansprechpartner: „Ständig höre ich Dinge wie ‚Der Bürgermeister ist telefonisch nicht zu erreichen oder antwortet nicht mal auf ein bereits fünfmal zugesandtes Mail.‘ Das geht so nicht“, schüttelt Potocnik den Kopf. Die Bürger seien in erster Linie Partner in der Stadtentwicklung, keine Gegner – wie das oft unterschwellig dargestellt wird. Lorenz Potocnik gibt den Initiativen eine Stimme, ohne selbst Mitglied zu sein, begleitet sie auf ihrem Weg und fungiert als Antriebsmotor und eine Art Coach: „Manche glauben, sie müssen nur einmal auf den Tisch hauen, eine Pressekonferenz über ihr Anliegen machen und alles regelt sich von selbst. In Wirklichkeit steckt hinter einem Veränderungsprozess von Großprojekten monate- oder jahrelange knochenharte Arbeit.“ 

Um die 20 Bürgerinitiativen hat er bereits begleitet oder mit auf den Weg gebracht – mit teilweise beachtlichem Erfolg. Aufsehenerregendste Story war mit Sicherheit das am Pichlinger See geplante LASK-Stadionprojekt, das bis zu 15 Hektar Grünland zerstört hätte: „Jeder hat uns geraten, die Finger davon zu lassen, weil sowohl Stadt- als auch Landespolitik hinter dem Stadionprojekt standen. Die Gegner wurden wie so oft als Spinner abgetan.“ Am Ende gelang es, das Projekt zu Fall zu bringen und eine noch bessere Umsetzung auf den Weg zu bringen: Der LASK adaptiert jetzt das bestehende Linzer Stadion, der Grüngürtel bleibt unangetastet. Lächeln muss Potocnik über den Linzer Bürgermeister, aber auch über so manchen Landesrat: „Die haben fast wortgleich behauptet, sie hätten das Grünland gerettet und wären sowieso immer schon gegen die Verbauung des Pichlinger Sees gewesen. Ich habe selten so viel Unehrlichkeit erlebt.“

Lorenz Potocnik am verhinderten Stadionstandort Pichlinger See: „Jeder hat uns geraten, die Finger davon zu lassen, weil sowohl Stadt- als auch Landespolitik hinter dem Stadionprojekt standen. Die Gegner wurden wie so oft als Spinner abgetan.“

Auch beim Andreas-Hofer-Park gelang der dortigen Bürgerinitiative ein beachtlicher Erfolg: Hier wollte ein ansässiger Konzern unter dem beliebten Park eine große Garage errichten, viele große Bäume hätten gefällt werden müssen. Auch dort war alles bereits auf Schiene, das informelle Ja des Bürgermeisters hatten die Projektbetreiber  in der Tasche. Mit klassischen Unterschriftenlisten, Veranstaltungen im Park und gezielter Medienarbeit gelang es, die Garage abzudrehen und einen alternativen Standort auf den Weg zu bringen: „Das war von Anfang an die beste Lösung, manche tun sich halt schwer, Fehler einzugestehen.“

Zu tun gibt es noch viel – etwa beim Hessenpark, wo täglich 300 Überlandbusse eine sinnlose Extra-Schleife durch die Stadt ziehen. Aktuell formieren sich die Gegner des Ostumfahrungsprojekts. Diese Autobahn soll mitten durch die Traunauen und dicht bewohntes Gebiet verlaufen, obwohl es eine bessere, weiter östlich liegende Variante gäbe. Potocnik im klassischen Guerillapolitiker-Slang: „Auch da werden sich manche Politiker, die später vermutlich wieder als Retter der Traunauen auftreten, eine blutige Nase holen.“

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