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    Mach’s dir doch selbst!

    13. Oktober 2023
    in Freizeit
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    51 Jahre ist es her, dass in Linz die erste Selbstbedienungstankstelle öffnete. Der Trend zu immer weniger Personal setzt sich gerade heute mehr denn je fort: Mittlerweile gibt es nicht nur Bankfilialen, sondern auch schon Tankstellen, die komplett ohne Mitarbeiter auskommen. Und auch die personallosen Supermärkte sind gerade dabei, ihren Siegeszug anzutreten. Das gefällt zwar nicht allen, diese Entwicklung wird aber kaum noch aufzuhalten sein. Auch damals war die Empörung so wie heute anfangs groß.

    „Mach’s dir doch selbst“ – das gilt nicht nur für langjährige Singles und ihr Sexleben: 1972, als in Linz die erste Selbstbedienungstankstelle ihre Pforten öffnete, nahm alles seinen Anfang. Wobei das nicht ganz stimmt: Bereits 22 Jahre zuvor – am 27. Mai 1950 – eröffnete in der damaligen Wiener Reichsstraße (stadtauswärts gleich rechts nach der Baumau-Unterführung) der österreichweit erste Selbstbedienungs-Supermarkt – die dortige Konsum-Filiale war eine absolute Sensation, in den ersten Tagen stauten sich die Neugierigen bei diesem österreichweiten Pilotprojekt. Nur Wurst und Obst wurden noch „hergerichtet“. Der Slogan damals: „Selbstbedienung spart Zeit“.

    Eine Zeichen der Zeit
    Selbstbedienungs-Supermärkte waren aber auch aus einem anderen Grund damals unabdingbar: Die Menge an Produkten wurde in der boomenden Nachkriegszeit immer größer, die Bevölkerung begann stark zu wachsen und die Geschäftsflächen wuchsen – da war es schlichtweg unmöglich, weiter auf eine komplette Bedienung, die hinter einem Ladentisch stand und die Ware quasi „aushändigte“, zu setzen.

    Tanken inklusive Scheibenwischen
    1972 folgte dann die erste Selbstbedienungstankstelle in Linz. Auch das galt zuvor als undenkbar. Die Zapfsäule durfte nur vom entsprechenden Personal bedient werden – inklusive der obligatorischen Frage „Super, Benzin oder Diesel?“ – mit der entsprechenden Antwort aus dem Autofenster heraus „Um 100 Schilling Super bitte!“ Aussteigen brauchte man nicht, denn bezahlt wurde ebenfalls durchs Autofenster. Und während des Tankvorgangs wurden vom Tankwart auch noch die Scheiben gereinigt (1-2 Schilling Trinkgeld waren dafür jedoch obligatorisch).

    10 Groschen billiger
    In den ersten Jahren entbrannte ein wahrer Konkurrenzkampf zwischen „herkömmlichen“ Tankstellen und jenen mit Selbstbedienung, große entsprechende Schilder wiesen darauf hin. Und es gab nicht wenige, die trotzig weiter die „alten“ Tankstellen anfuhren, weil man sich nicht die Hände schmutzig machen oder sich mit Benzin (und dem Geruch, den man dann im Auto hatte) schmutzig machen wollte – während die Selbstbedienungstankstellen ihren Preisvorteil von 10 bis 20 Groschen pro Liter entsprechend bewarben, um Kunden zu gewinnen.

    Komplett mitarbeiterlose Supermärkte als neue Entwicklung
    Heute gibt es in Linz keine einzige Tankstelle mehr mit Bedienung – im Gegenteil: Mehr und mehr setzen sich komplett mitarbeiterlose, vollautomatisierte Tankstellen durch – eine Entwicklung, die auch im Handel auf dem Vormarsch ist: Jeder kennt die Supermarktkassen, an denen man seinen Einkauf selber einscannt und dann am Automaten bezahlt. Mittlerweile gibt es in Linz auch schon Mini-Supermärkte, in dem kein einziger Mitarbeiter mehr anwesend ist – dafür aber jede Menge Kameras. Man braucht angesichts der Kosten- und Personalsituation kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass sich auch dieses Modell immer weiter durchsetzen wird – und wohl auch in anderen Geschäften wie Mode, Tierbedarf oder Drogerien durchsetzen wird.

    Der erste komplett mitarbeiterfreie Supermarkt in Linz steht an der Umfahrung Ebelsberg / Kreuzung Lunzerstraße. (Foto: Holzleitner)

    Es fällt uns gar nicht so auf, aber in den letzten Jahren und Jahrzehnten sind immer mehr Arbeitsplätze, die mit direktem Kundenkontakt zu tun haben, verschwunden: Schiliftkassen, Straßenbahnen (die Linzer Bim fährt seit Juli 1974 schaffnerlos), Zugfahren, der Schleppliftbügel zum „Selberziehen“, den man früher noch in die Hand gedrückt bekam; ja und es gibt mittlerweile Nachtclubs und Discos, in denen man sich sogar die Getränke am Automaten kauft (gesehen im A1 Club im Lenaupark). Auch die E-Scooterverleiher haben mittlerweile ein System entwickelt, das Fahrer mit Freifahrten belohnt, wenn diese mit den Rollern zu bestimmten Stationen fahren, wo sie dann selbst die Akkus tauschen sollen.

    „Fahrkarten bitttteeee!“ – ein Triebwagen inklusive Schaffner der legendären Linie M, die 1969 eingestellt wurde. (Foto: Jean Henri- Manara / Wikimedia-Commons-License-CC-BY-SA-2.0.jpg


    Apropos Automaten: Diese treten nach den 1960er-Jahren auch durch die Corona-Krise bedingt aktuell einen neuen Siegeszug an. Von Tabletten über Eier, Tampons, Spritzen his hin zu Maden: Was es in Linz schon so alles zu „ziehen“ gibt, findest Du HIER.

    Schöne, neue – und vor allem mitarbeiterlose Shoppingwelt: Dieser Shop an der Landstraße wurde 2020 eröffnet. (Foto: Holzleitner)

    2020 eröffnete auf der Landstraße ein Automatenshop, bei dem es nur mehr Waren aus dem Automaten gibt. Ob diese Idee ein probates Mittel gegen den besorgniserregenden Leerstand in der City ist, bleibt allerdings abzuwarten. Der Automatenshop auf der Landstraße hat mittlerweile wieder zugesperrt…

     

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