Die Kritik am geplanten Google-Rechenzentrum in Kronstorf bei Enns reißt nicht ab. Während Landesrat Achleitner das Milliardenprojekt ohne jede Bedenken als wirtschaftlichen Meilenstein feiert, werden die Stimmen lauter, die den enormen Ressourcenverbrauch und den vergleichsweise geringen Nutzen hinterfragen. Eine Hitzewelle jagt aktuell die nächste, dennoch wird eine Fläche von 70 Fußballfeldern für höchstens 100 Arbeitsplätze verbaut, der Strombedarf ist bei diesem Projekt höher als jener von allen Haushalten Oberösterreichs zusammen. Und pro Tag sollen fast sechs Millionen Liter Kühlwasser, auf 30° aufgewärmt, in die Enns geleitet werden – und dennoch gibt es keine politischen Bedenken gegen dieses Projekt.
Für die Serverfarm soll eine Fläche im Ausmaß von rund 70 Fußballfeldern verbaut werden. Der Strombedarf könnte Schätzungen zufolge bis zu fünf Prozent des gesamten österreichischen Stromverbrauchs erreichen – oder anders ausgedrückt: Das Rechenzentrum wird mehr Strom verbrauchen als alle Haushalte in unserem Bundesland. Um eine derartige Energiemenge ausschließlich mit Windkraft bereitzustellen, wären rechnerisch rund 200 zusätzliche Windräder der modernsten Generation erforderlich – in Oberösterreich sind derzeit jedoch erst 31 Windkraftanlagen in Betrieb. Für „machbar“ hält Wirtschafts-Landesrat Achleitner diese Herausforderung, dabei ist in den letzten elf Jahren lediglich ein einziges Windrad in Oberösterreich errichtet worden.
30° warmes Wasser in die Enns
Auch der Wasserverbrauch sorgt für Diskussionen. Laut wasserrechtlicher Bewilligung darf Google täglich rund 5,8 Millionen Liter Kühlwasser mit einer Temperatur von bis zu 30 Grad in die Enns einleiten, während beim fortschreitenden Klimawandel jedes Zehntel Grad Erwärmung zurecht kritisch beäugt wird.
Eineinhalb Arbeitsplätze auf der Fläche eines Fußballfeldes
Besonders kritisch wird die geringe Zahl an dauerhaften Arbeitsplätzen gesehen. Hyperscale-Rechenzentren gelten als hochautomatisiert und beschäftigen im laufenden Betrieb meist nur wenige Dutzend bis rund hundert Mitarbeiter. Gemessen an der verbauten Fläche entspricht das lediglich rund eineinhalb Arbeitsplätzen auf der Fläche eines Fußballfeldes.
Keinerlei vertragliche Zusagen für Forschung oder Arbeitsplätze
Auch die von der Landespolitik immer wieder hervorgehobenen Forschungs- und Innovationseffekte werden zunehmend hinterfragt. Das Land argumentiert, dass vom Google-Rechenzentrum heimische Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen profitieren würden und sich neue Forschungskooperationen ergeben könnten.
Technischer Großbetrieb mit wenig Mitarbeitern, aber kein Forschungszentrum
Diese Erwartungen sind bislang in keiner Weise konkret belegt. Derartige Rechenzentren (Google betreibt weltweit bereits 37 dieser Art) sind in erster Linie hochautomatisierte Infrastruktur zur Bereitstellung von Rechenleistung für Cloud-Dienste und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Forschung findet dort in der Regel nicht im eigentlichen Rechenzentrum, sondern an den Entwicklungsstandorten der Unternehmen oder in externen Forschungseinrichtungen statt. Die Serverfarm selbst ist vor allem ein technischer Großbetrieb, dessen Kernaufgabe darin besteht, Rechenleistung bereitzustellen – nicht wissenschaftliche Forschung zu betreiben.
Projekt widerspricht sämtlichen Klimazielen
Das ausufernde Projekt bildet einen deutlichen Widerspruch in der Klimapolitik des Landes. Gerade in Oberösterreich wird regelmäßig die Bedeutung von Klimaschutz, Bodenschutz und einem sparsamen Umgang mit wertvollen Ackerflächen betont. Gleichzeitig folgt mittlerweile eine Hitzewelle auf die nächste, Trockenperioden nehmen zu und die Folgen des Klimawandels sind längst Realität.
Umso größer ist das Unverständnis darüber, dass ausgerechnet ein Projekt mit enormem Flächenverbrauch, gewaltigem Strombedarf und erheblichem Kühlwasserverbrauch von der Landespolitik Und vor allem von Landesrat Achleitner, der mit Flächen-, Natur- und Klimaschutz wenig am Hut hat, als Vorzeigeprojekt gefeiert wird. Achleitner bezeichnet das Projekt als wichtigen Wirtschaftsimpuls und weist Bedenken zurück, ohne überhaupt darauf einzugehen.
Besonders für Diskussionen sorgt schließlich die Entscheidung, dass für das Vorhaben keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich sein soll. Angesichts des massiven Flächenverbrauchs, des enormen Energiebedarfs und der Auswirkungen auf den Wasserhaushalt ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Wie glaubwürdig sind die politischen Bekenntnisse zu Klima-, Boden- und Umweltschutz noch , wenn ein Projekt dieser Größenordnung und mit diesen Eingriffen in die Natur ohne Umweltverträglichkeitsprüfung genehmigt wird?
Titelfoto: Google / Land OÖ














