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Immer mehr Strom, aber woher?

Die Energiewende stößt an ihre Grenzen

22. Juli 2026
in Klima, Land, Linz
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Immer mehr Menschen stellen sich die Frage: Kann der rasant steigende Strombedarf überhaupt noch ausschließlich mit erneuerbaren Energien gedeckt werden? Theoretisch lautet die Antwort zwar Ja – in der Praxis zeigt sich jedoch, wie gewaltig – und eigentlich nicht zu schaffen – die Herausforderung tatsächlich ist.

Ein Blick in unser Bundesland macht die Dimension deutlich: Derzeit stehen in OÖ gerade einmal 31 Windkraftanlagen. Besonders bemerkenswert: In den vergangenen elf Jahren wurde lediglich ein einziges neues Windrad errichtet.

Gleichzeitig wächst der Strombedarf durch neue Großprojekte massiv. Allein die geplante Google-Serverfarm in Kronstorf würde jährlich rund 2 Terrawattstunden Strom benötigen – das entspricht in etwa der Jahresproduktion von rund 200 zusätzlichen modernen Windkraftanlagen – also siebenmal so viele wie es aktuell gibt.

Hinzu kommen die neuen Elektrolichtbogenöfen der voestalpine im Rahmen des Green-Steel-Projekts. Sie benötigen im Vollbetrieb jährlich rund 0,7 Terawattstunden Strom – umgerechnet die Leistung von rund 90 modernen Windkraftanlagen. Denn eines ist klar: Ohne ausreichend Strom aus erneuerbaren Quellen ist auch „Green Steel“ nicht wirklich grün. Über viele Jahre (oder gar Jahrzehnte) wird der Strom für den „Green Steel“ u.a. vom fossilen Kraftwerk der voestalpine kommen – auch das gehört zur „schmutzigen“ Wahrheit dazu

Auch das Ausmaß an nötiger Photovoltaik zeigt die Größenordnung der Herausforderung. Um den Strombedarf der neuen Green-Steel-Anlagen zu decken, wäre Photovoltaik auf einer Fläche von rund 380 Fußballfeldern erforderlich. Für die Google-Serverfarm kämen noch einmal etwa 1.200 Fußballfelder hinzu.

Und all diese Zahlen berücksichtigen noch nicht den zusätzlichen Strombedarf durch den Ausbau der Elektromobilität, den Umstieg auf Wärmepumpen oder weitere KI-Rechenzentren, deren Energiehunger in den kommenden Jahren massiv steigen dürfte.

Ebenfalls völlig unerwähnt bleibt, dass ein entsprechendes Back-up System errichtet werden muss. Sowohl die ServefFarm als auch die Stahlproduktion läuft 365/24/7 rund um die Uhr und kann nicht so einfach vom Netz genommen werden. Heißt: in der Nacht, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint, braucht es zusätzliche Gaskraftwerke oder Atomstrom. Beides kostet richtig viel Geld…


Kommentar
Die Politik vermittelt gerne den Eindruck, die Energiewende sei nur eine Frage des politischen Willens. Tatsächlich geht es aber vor allem um Mathematik, Flächen und Milliardeninvestitionen. Allein um den zusätzlichen Strombedarf der geplanten Google-Serverfarm und der neuen Green-Steel-Anlagen der voestalpine zu decken, wären rechnerisch rund 290 moderne Windkraftanlagen erforderlich – inklusive Bodenverbrauch, teure Leitungen und und und. Investitionsvolumen: mindestens 2,9 Milliarden Euro. Wer das bezahlen soll? Am Ende mit Sicherheit die Konsumenten – auch wenn der Wind bekanntlich keine Rechnung schickt…

Wie aberwitzig der Plan ist, zeigt eine aktuelle Zahl: In ganz Oberösterreich stehen derzeit lediglich 31 Windräder – und in den vergangenen elf Jahren wurde gerade einmal eine einzige neue Anlage errichtet. Wie man da in kürzester Zeit auf weitere 290 Anlagen kommen will – das geht schon in Richtung Wunder.

Natürlich wird oder soll der benötigte Strom nicht ausschließlich aus Windkraft stammen. Das Rechenbeispiel macht jedoch deutlich, in welcher Größenordnung der Ausbau erneuerbarer Energien erfolgen müsste, wenn der steigende Strombedarf tatsächlich klimaneutral gedeckt werden soll. Hinzu kommt der wachsende Bedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Industrie und weitere KI-Rechenzentren, der noch gar nicht mit eingepreist ist.

Die entscheidende Frage lautet deshalb gar nicht so sehr, ob wir mehr erneuerbare Energie benötigen, sondern wie und wo sie entstehen soll. Wer immer neue Großverbraucher ansiedelt, gleichzeitig aber den Ausbau von Windkraft, Photovoltaik, Stromnetzen und Speichern fordert, diese gleichzeitig nur schleppend bis gar nicht voranbringt (bzw. die erforderliche Anzahl an Anlagen realistisch gesehen gar nicht errichten kann), muss sich die Frage gefallen lassen, ob er bewusst ein falschen Spiel spielt.

Die Bürger fühlen sich veräppelt, wenn die diversen Projekte schönfärberisch angekündigt werden, Begriffe wie „klimaneutral“, „nachhaltig“ oder „umweltschonend“ herumgeworfen werden, am Ende aber keiner weiß, wo der entsprechende grüne Strom überhaupt herkommen soll.

Die Betreiber müssten viel stärker in die Pflicht genommen werden und nachweisen können bzw. vertraglich festgenagelt werden, dass etwa der „Green Steel“ auch tatsächlich mit grünem Strom produziert wird (sonst ist es nämlich kein grüner Stahl).

Diese Verpflichtung gibt es aber nicht – auch bei der Google Serverfarm gibt es keinerlei fixe Zusagen oder Verpflichtungen in diese Richtung, sondern lediglich Absichtserklärungen und vage Versprechungen. Und klar ist: Steht die Serverfarm erst mal, kann sie auch nicht abreißen oder stilllegen.

Selbst der zuständige (und mittlerweile wie ein Geisterfahrer agierende) Landesrat Achleitner spricht nur mehr davon, dass man das alles eh schon irgendwie hinbekommen werde. Verantwortungsloser geht’s fast nicht, wenn man weiß, wie instabil sich das europäische Stromnetz in der jüngsten Vergangenheit immer wieder präsentierte. 

 

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