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Unterwegs mit den Schwarzfahrer-Jägern

20. Dezember 2015
in Freizeit, Linz
43-mal hält die Straßenbahn zwischen Solar City und Universität

43-mal hält die Straßenbahn zwischen Solar City und Universität

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Linz, Goethestraße. Ein sonniger Mittag, zahlreiche Passanten genießen den viel zu warmen Frühwintertag. Doch Manfred S. hat keine Zeit, sich dem süßen Nichtstun zu widmen, für ihn und seine zwei Kollegen ist Dienstbeginn. Heute steht die Linie 3 der Linz Linien im Fadenkreuz der drei Fahrscheinkontrolleure.    

In Zivil und getrennt voneinander steigen sie in die erst Bim ein, die Richtung Hauptplatz fährt. Kaum setzt sich die Straßenbahn in Bewegung heißt es schon in bestimmtem aber freundlichen Ton: „Fahrscheinkontrolle, bitte Ihren Fahrschein.“ Die zahlreichen Schüler begegnen der Kontrolle mit einem schelmischen Grinsen, wissend, dass sie mit ihrem Ausweis keine Probleme haben.

Wo ist nur die Jahreskarte?    
Anders sieht es hingegen mit einer jüngeren Dame aus. Nervös nestelt die Schwarzhaarige in ihre Designerhandtasche: Ein Schminkset, das I-Phone, ein Notizblock, ein Feuerzeug… alles kommt zum Vorschein, nur wo ist die verdammte Jahreskarte? Endlich, gefunden. Erleichtert reicht sie den Fahrschein der blonden Kontrolleurin, die seit einem Jahr gemeinsam mit Manfred auf „Streife“ fährt: „Ihr Verhalten war typisch für jemanden, der eine Fahrkarte besitzt, aber nicht weiß wo sie steckt. Der notorische Schwarzfahrer reagiert anders“, erklärt Manfred. Am Taubenmarkt ist die Kontrolle abgeschlossen, die drei verlassen die Straßenbahn und warten auf die nächste, diesmal geht’s in Richtung Bahnhof. Schon nach einigen Passagieren erfolgt der ersten Fahndungserfolg. Diesmal ist es eine Mutter mit Kind, die nach ihrem gültigen Ticket sucht. Nach einigen Sekunden erfolgt die Beichte, die Geldtasche müsse daheim vergessen worden sein. Ausweis, nein den hat sie auch daheim. Höflich wird die Dame gebeten, an der Mozartstraße auszusteigen. Der Aufforderung folgt die korpulente Frau ohne Probleme. Manfred S. greift zum Diensthandy und verständigt zwecks Identitätsfeststellung die Polizei.

Kontrolliert wird in Bus & Bim nur mehr in Zivil
Kontrolliert wird in Bus & Bim nur mehr in Zivil

Fünf Minuten später trifft der Streifenwagen am Einsatzort ein. Die Schwarzfahrerin schreibt – fast unleserlich – ihren Namen auf ein Stück Papier. Noch ist die Situation entspannt. Doch es tauchen Probleme auf. Die Frau scheint nicht gemeldet zu sein. Einer der Polizisten fragt nach, ob der Name so stimme. Ja, aber das O soll ein A sein. Nochmalige Nachfrage. Alles in Ordnung. Dennoch verliert die Angehaltene ihre Nerven und beginnt laut zu schreien, den Kinderwagen aufgeregt hin und her schiebt. „Nur weil man seinen Ausweis vergessen hat, wird man wie ein Verbrecher behandelt. Ich bin doch kein Dieb, ich verstehe so was nicht. Eine Frechheit, wie kann es  das in Österreich geben, in einer Demokratie!“ Verärgert und mit knallrotem Gesicht verschwindet die Frau im nächsten Geschäft. „Das ist harmlos gewesen. Ich bin auch schon gewürgt und getreten geworden“, erzählt Manfred, der froh ist, dass die Zusammenarbeit mit der Linzer Polizei so gut funktioniert.

Keine Extra-Provision    
Schon kommt die nächste Dreier-Bim. Diesmal ist es ein junger Mann, der den Kontrolleuren auffällt. Als er sich kurz vor dem Taubenmarkt ertappt fühlt, springt er auf und hechtet zu Türe, die sich gerade öffnet. Mit zwei, drei großen Schritten, eilt er zum Fahrscheinautomaten, will sich jetzt noch einen gültigen Fahrschein besorgen. Doch Manfred und sein Kollege haben ihn gestellt und wollen seinen Ausweis sehen. Die Debatte beginnt. Er habe gerade einen kaufen wollen, könne sich nicht ausweisen. Manfred will gerade wieder die Polizei rufen, als der Mann einen Führerschein hervorzaubert. Warum nicht gleich?

Ein Treffer pro Stunde    
„Wir erwischen durchschnittlich einen Schwarzfahrer in der Stunde. Das mag nicht viel sein, doch den Linz Linien ist es wichtig, dass das gesamte Stadtgebiet kontrolliert wird und nicht nur auf den ‚guten‘ Strecken,“ sagt Manfred. Und auch mit dem Vorurteil des planmäßigen Abkassierens räumt er auf, bevor er die nächste Bim entert: „Nein, wir kriegen keine Provision für unsere Arbeit.“

 

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