Aus einer schnurgeraden Strecke wird ein „S“: Mindestens eine Milliarde Euro kostet die derzeitig Bau befindliche Verschwenkung samt vierspurigem Ausbau der Weststrecke von Linz nach Marchtrenk, um den Linzer Flughafen einzubinden. Kritiker halten diese 15,7 km lange Umleitung der bestehenden Trasse für sinnlos. Um dieses Geld hätte sich die S-Bahn nach Gallneukirchen, deren Finanzierung noch völlig offen ist, errichten lassen. Bilder von den Bauarbeiten zeigen nun die enormen Eingriffe, die die knapp 30 Meter breite Trasse in die Natur verursacht.
Vier neue Gleise sollen die bisher zweigleisige Strecke künftig ersetzen. „Bei diesem Neubau bietet sich die Chance, durch eine Anpassung der Streckenführung mehrere Vorteile zu schaffen: Die räumliche Zerschneidung des Orts Pasching aufheben, Lärm reduzieren sowie ein Zusammenwachsen der Ortsteile und gleichzeitig Chancen zur Siedlungsentwicklung ermöglichen“, so die ÖBB beim Baubeginn 2022. Damals war man übrigens noch von 775 Mio. Euro Baukosten ausgegangen, 2025 war es bereit eine knappe Milliarde.



Die wohl weit über eine Milliarde Euro teure Weststrecken-Verschwenkung zwischen Linz und Marchtrenk ist ein Steuergeld-Schildbürgerstreich allererster Güte. Um dieses Geld hätte man die S-Bahn nach Gallneukirchen (für die bis heute die Finanzierung völlig offen ist) bauen können – inklusive ebenfalls noch offene Elektrifizierung der Mühlkreisbahn. Wenn man denn schon eine Anbindung des Flughafens ans hochrangige Öffi-Netz will: Weit billiger – und attraktiver – wäre eine Anbindung an das Straßenbahnnetz mit einer einspurigen Stichstrecke von der Trauner Kreuzung gekommen. Die Kosten wären mit etwa 50 Mio. Euro überschaubar, führt doch die bestehende Linie nach Traun etwa in 2,5km Entfernung am Airport vorbei. Auch ein dichter Bustakt würde einen Bruchteil davon kosten – alles hätte den Airport auch für künftige Entwicklungen mehr als ausreichend abgedeckt. Warum man mit einem Mega-Projekt der Westbahnstrecken-Verschwenkung hier mit Kanonen auf Spatzen schießt, scheint mehr denn je schwer nachvollziehbar. Der auf jeden Fall nötige Ausbau auf vier Gleise am bestehenden Gleisbett hätte maximal die Hälfte der Kosten verursacht, erst die Verschwenkung und somit der komplette Neubau der Trasse macht die Sache erst so richtig teuer. Der mitschwingende Gedanke, dass einst nicht nur die S-Bahn, sondern auch Intercity-Züge und internationale Verbindungen am Flughafen Linz halten und einen Umstieg ins Flugzeug ermöglichen, klingt aus heutiger Sicht absurd. Selbst nach der Eröffnung müssten Flugäste erst zum Hauptbahnhof fahren, dort in den Regionalzug oder die S-Bahn umsteigen, um dann zum Airport zu gelangen.


























