Die Stadt Linz will ihre Märkte mit einer umfassenden Novelle von Markt- und Gebührenordnung fit für die Zukunft machen. Längere Öffnungszeiten für Weihnachtsmärkte, eine „Probebeleuchtung“ beim Urfahraner Markt samt spannender neuer Fahrgeschäfte und günstigere Schanigärten am Südbahnhofmarkt stehen im Mittelpunkt. Differenzierte Gebührenerhöhungen für bestimmte Branchen sorgen aber für Diskussionsstoff. Der Gemeinderat entscheidet über das Gesamtpaket am 19. März 2026.
Die Stadt Linz reagiert auf veränderte Konsumgewohnheiten und jahrelange Forderungen von Beschickern: Mit einer großen Novelle der Marktordnung und der Gebührenordnung sollen die Märkte attraktiver, flexibler und wirtschaftlich tragfähiger werden. Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP), zuständiger Marktreferent, betont den Spagat zwischen Traditionserhalt und Modernisierung. Die Vorschläge, die am 19. März 2026 im Gemeinderat zur Abstimmung kommen, umfassen folgende Punkte:
Längere Abende für Weihnachtsmärkte und Urfahraner „Probebeleuchtung“
Christkindl- und Weihnachtsmärkte dürfen künftig freiwillig bis 22 Uhr geöffnet bleiben – bisher endete der Betrieb oft um 19 Uhr. Damit werde ein „langjähriger Wunsch besonders aus der Gastronomie“ erfüllt. so Hajart.
Beim Urfahraner Markt startet bereits beim Frühjahrsmarkt 2026 (30. April – 10. Mai) ein Test: Am Vorabend, dem 30. April (ab 17 Uhr), soll es nach Welser Vorbild eine „Probebeleuchtung“ mit Vergnügungspark und Gastronomie geben – ein zusätzlicher umsatzstarker Abend, der das erste Wochenende verlängert. Da der 1. Mai ein Feiertag ist, fällt der Termin besonders günstig. Bewährt sich das Modell, wird es dauerhaft in die Marktordnung aufgenommen. Der (gut funktionierende) Vergnügungspark wird zudem deutlich vergrößert, unter anderem mit drei neuen Fahrgeschäften.
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Südbahnhofmarkt: Flexiblere Zeiten und günstigere Schanigärten
Am ganzjährig betriebenen Südbahnhofmarkt sollen starre Kernöffnungszeiten durch eine Mindest-Öffnungsdauer ersetzt werden. Unter der Woche mindestens 7,5 Stunden pro Tag (Mo–Fr), samstags 9–13 Uhr – die genauen Uhrzeiten können Betriebe künftig flexibler an Lieferungen, Personal und Nachfrage anpassen. Das Angebot für Kundinnen und Kunden soll dadurch nicht schrumpfen, sondern realistischer werden.
„Dieses authentische, urbane Konzept bringt einen kraftvollen neuen Impuls an den Südbahnhofmarkt. Es zeigt eindrucksvoll: Der Markt ist nicht nur ein Ort mit Tradition, sondern auch eine Bühne für junge Generationen, die mit Innovationsgeist, Mut und Qualitätsbewusstsein die Zukunft des Standorts aktiv mitgestalten.“
Marktreferent Vizebürgermeister Martin Hajart
Laut Hajart deutlich attraktiver wird der neue Jahrestarif für Schanigärten: Statt 18,52 Euro pro Quadratmeter und Monat kostet er künftig nur noch 100 Euro pro Quadratmeter und Jahr – eine deutliche Entlastung und Verwaltungsvereinfachung, die die Freiluft-Saison verlängern und die kleine Gastronomieszene stärken soll.
Gebühren: Entlastung für Nahversorger, Anhebung für Gastronomie und Süßwaren
Die Marktgebührenordnung wird nach 2020 erneut angepasst – vor dem Hintergrund gestiegener Kosten für Infrastruktur, Reinigung, Entsorgung und Sicherheit. Lebensmittel- und Nahversorger bleiben von Erhöhungen verschont oder profitieren sogar (wie bei den Schanigärten). Dagegen steigen die Tarife für Konsumations- und Gastronomiebetriebe differenziert nach Größe und Lage – mit Ausnahme einer Senkung im Bereich Urfahranermarkt Ost. Süßwarenstände verlieren ihren bisherigen günstigen Tarif auf Kunsthandwerks-Niveau und werden teurer eingestuft.
Die Stadt begründet die selektiven Erhöhungen mit der Notwendigkeit, die Märkte als Ganzes finanziell abzusichern. Kritiker könnten hier jedoch fragen, ob die zusätzlichen Belastungen für Gastronomen nicht gerade jene Branche treffen, die durch längere Öffnungszeiten und Events besonders zum Umsatz beiträgt.
Neuer Markenauftritt und Impulse für den Südbahnhofmarkt
Alle Linzer Märkte erhalten ein einheitliches, modernes Logo mit zentralem „Markt-Smiley“ als Symbol für Freude, Begegnung und Genuss. Es soll die Märkte stärker als Dachmarke positionieren, ohne die individuellen Identitäten aufzugeben.
„Mit der neuen Dachmarke wird somit nicht nur ein optisches Signal gesetzt, sondern ein klares Bekenntnis abgegeben: Die Linzer Märkte stehen gemeinsam für Qualität, Gemeinschaft und positive Markterlebnisse heute und in Zukunft.“
Theresa Gillhofer.
Am Südbahnhofmarkt, der sich derzeit in einem spürbaren Generationenwechsel befindet, laufen bereits Gespräche mit Beschickern. Neue Konzepte wie die moderne Bäckerei „FRANZ“ der jungen Fenzl-Geschwister stehen exemplarisch für frischen Wind. Geplant sind saisonale Events (Weinfest, Apfelfest, After-Work-Partys), Aufwertung von Grünflächen, Sitzgelegenheiten und eine schrittweise Sanierung der teils in die Jahre gekommenen Kojen. Hajart und Abteilungsleiterin Theresa Gillhofer hatten in den vergangenen Monaten intensiv mit den Betreibern gesprochen – ein Schritt, der von vielen als wertschätzend wahrgenommen wurde.
Kritische Würdigung
Die Reform enthält viele sinnvolle, lange geforderte Anpassungen: Mehr Flexibilität, längere Öffnungszeiten und Entlastungen für Teile der Nahversorgung können die Attraktivität der Märkte steigern – gerade in Zeiten, in denen Regionalität und soziale Treffpunkte wieder gefragt sind. Der Testcharakter bei der „Probebeleuchtung“ und die Einbindung der Beschicker sind ebenfalls positiv zu bewerten.
Allerdings bleibt die selektive Gebührenerhöhung für Gastronomie und Konsumation ein heikler Punkt. Ob die versprochenen Umsatzchancen durch verlängerte Zeiten und Events die Mehrkosten wirklich ausgleichen, muss sich zeigen. Zudem fehlen in der Vorlage konkrete Zeit- und Finanzpläne für die angekündigte Aufwertung des Südbahnhofmarktes – hier bleibt vieles noch Absichtserklärung. Die Grünen Linz sehen wesentliche Verbesserungen (z. B. bei Sauberkeit, Gestaltung und Veranstaltungen) als zu wenig ambitioniert.
Insgesamt setzt die Novelle ein klares Signal: Die Stadt will die Märkte nicht nur verwalten, sondern aktiv weiterentwickeln. Ob das Paket im Gemeinderat breite Zustimmung findet und sich in der Praxis bewährt, wird sich ab Frühjahr 2026 zeigen.




























