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Guido Klinger ist richtig sauer

1. November 2020
in Linz, Politik
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Anrainer Guido Klinger ist richtig sauer – und er ist nicht der Einzige. Der Grund: das Stadtbahn-Projekt mit den beiden S-Bahn-Linien S6 und S7, deren Trassenführung quer durch Urfahr bereits fixiert ist. Was allerdings bis heute fehlt, sind Informationen an die Bürger – tausende Urfahraner sind direkt oder indirekt betroffen. Vier vollwertige Gleise werden quer durch den Linzer Norden und durch Wohngebiete gebaut, ein eigener Bahnhof soll beim Gasthaus Lindbauer entstehen. „Alle sind für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, aber ohne Einbindung der Bewohner könnte das Projekt nach hinten losgehen“, sagt Guido Klinger. Gefordert wird als erster Schritt eine Projektpräsentation mit allen Details. Unterstützung erhalten die Anrainer von Lorenz Potocnik von NEOS Linz.

Es ist ein 700 Millionen-Euro-Megaprojekt, das in den nächsten Jahren entstehen soll: Vom Westen soll die Mühlkreisbahn künftig im 15-Minuten-Takt quer durch das Zentrum Urfahrs zur neuen Donaubrücke rollen. Vom Nordosten wiederum wird die neue S7 aus Gallneukirchen kommend quer durch das Univiertel, Dornach-Auhof und das Wohngebiet rund um die Linke Brückenstraße und die Prager Straße fahren. Beide kreuzen sich bei einem neuen „Bahnhof“ („Nahverkehrsknoten Urfahr Ost“).

Es gibt Sorgen, dass damit auch die Lebensqualität tausender Urfahraner beeinträchtigt wird: Es geht um zwei vollwertigen Bahntrassen mit je zwei Gleisen – das sind zwei Schneisen von jeweils gut zehn Metern Breite, die quer durch Urfahr gebaut werden müssen. Beide S-Bahnen werden im Vollbetrieb im 15-Minuten-Takt verkehren – das bedeutet, dass alle 7,5 Minuten ein Zug durch die Wohngebiete fährt.

Guido Klinger mit Lorenz Potocnik in der Urfahraner Pragerstraße: Durch diese Engstelle sollen bald zwei Zuggleise führen.

Am Bau der beiden S-Bahnen führt freilich kein Weg vorbei, Alternativen zur Streckenführung gibt es kaum, weil es die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten versäumte, entsprechende Trassen freizuhalten. „Ständig wird nur von den Vorteilen für die Pendler gesprochen. Die Sorgen und Einwände der betroffenen Urfahraner sind aber ebenfalls gleich schwer zu bewerten“, so Anrainer Guido Klinger.

„Seit vier Jahren keinerlei Information“         
Lorenz Potocnik nennt eine maximale Berücksichtigung in Sachen Lärmschutz, Optimierungen der Streckenführung, Abstände zu Wohngebieten, mögliche Beeinträchtigung der Zufahrtssituation zu Wohnhäusern, Begrünungen, Gleisübergänge, aber auch den möglichen Wegfall von Bewohnerparkplätzen als wichtigste Punkte, die die Bewohner am Tisch haben wollen.

„Erwarte mir zumindest Information“
Guido Klinger ist mittendrin statt nur dabei: Die  Mühlkreisbahn würde künftig sein Wohnviertel im Bereich der Hauptstraße und der Reindlstraße durchschneiden: „Wir dürfen in der Zeitung lesen, dass die Trasse fixiert ist und bald alle 15 Minuten eine Zuggarnitur durch unsere Straßen rollt. Auf eine Bürgerbeteiligung oder zumindest eine Dialogveranstaltung warten wir seit Jahren vergebens. Von der Politik hätte ich mir erwartet, dass auch wir Linzer zumindest informiert werden.“

Hein: „Projekt soll politisch torpediert werden“
Der Linzer Infrastrutureferent Markus Hein versteht die Aufregung nicht: „Das ist ein Projekt vom Land und die werden, wenn es soweit ist, auch die Bürger einbinden. Zurzeit gibt es weder eine Detailplanung, die besprochenen werden kann, noch eine Finanzierungszusage vom Bund. Aber es scheint, dass das nächste Projekt nun politisch torpediert werden soll bevor es überhaupt existiert, damit einer sein Kleingeld daraus schlagen kann. Wir werden uns vonseiten der Stadt natürlich für die Interessen der Bewohner einsetzen. Zuerst braucht es aber Details.“

 „Offenes Visier“   
Die Forderung ist klar. Lorenz Potocnik: „Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist unumgänglich. Das heißt aber nicht, dass über die Interessen von tausenden betroffenen Urfahranern drübergefahren werden darf. Es braucht hier die volle Einbindung und einen Dialog mit offenen Visier. Ich werde daher den Antrag stellen, so bald wie möglich eine solche Veranstaltung – natürlich unter Einhaltung alle Covid-Regeln – abzuhalten.“ Denkbar seien zusätzlich auch mehrere Info-Container, die direkt an der Trasse postiert werden, um alle Interessierten und Betroffenen einen Überblick über das Projekt zu verschaffen aber auch um geprüfte Alternativen offen zu legen.

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